Das Rad weiterentwickeln: Zitate und Paraphrasen in Gebrauchstexten

Viele Texte basieren auf den Gedanken und Überlegungen anderer, die wir in unsere eigenen Texte übernehmen. Das müssen wir kenntlich machen, und zwar durch Zitate und Paraphrasen. Doch was ist das? Und warum sind sie wichtig? Das erfahren Sie in diesem Artikel.

In diesem Artikel erfahren Sie, was ein Zitat und Paraphrase ist.

Die meisten Texte sind kein Selbstzweck, sondern ein Kommunikationsmittel. Das gilt vor allem für Gebrauchstexte: Wer eine Haus- oder Abschlussarbeit schreibt, will damit vermitteln, dass er oder sie ein Thema ansatzweise verstanden hat und es gegebenenfalls weiterentwickeln kann. Wer ein Sachbuch schreibt, will seine Leserschaft aufklären. Und wer einen Ratgeber oder Blogartikel schreibt, möchte meistens, dass andere sein Wissen nutzen können, um ein bestimmtes Problem zu lösen.

Egal, welchen Gebrauchstext Sie schreiben wollen: Nur wenig von dem, worüber Sie schreiben, ist auch tatsächlich Ihre eigene Schöpfung. Nur wenig ist neu; Sie müssen also auf dem aufbauen, was andere vor Ihnen gedacht und erfunden haben. Und, Sie ahnen es, dafür müssen Sie sich auf Ihre „geistigen Vorgänger“ beziehen. Wie? Indem Sie Zitate und Paraphrasen in Ihren Text platzieren. Was ist das? Das erfahren Sie in den nächsten beiden Absätzen.

Was ist ein Zitat?

Ein Zitat ist ein wörtlich übernommener Auszug aus einem anderen Text. Das sieht zum Beispiel so aus:

„Ziele sind reale, praktisch umsetzbare Positionen, die heute, in der Gegenwart von der Person erfahren werden. Sie können mit allen Sinnen erfahren und wahrgenommen werden“ (Seidl, 2011, S. 64).

Sie sehen, dass ein Zitat aus zwei Bausteinen besteht:

  • Textauszug: „Ziele sind reale […]“
  • Beleg: (Seidl, 2011, S. 64)

Sie brauchen beides, um ein Plagiat zu vermeiden. Wie Sie den Beleg gestalten, ist von Text zu Text und von Anlass zu Anlass unterschiedlich. Es gibt unterschiedliche Zitiersysteme und -konventionen: Fuß- oder Endnoten oder auch Kurzbelege mit Klammern im Fließtext. Ich nutze immer ein Zitiersystem mit Kurzbelegen in Klammern. Das liegt daran, dass ich keine Fußnoten mag.

Egal, welches Zitiersystem Sie nutzen und welcher Zitierkonvention Sie folgen: Eine genaue Seitenangabe gehört immer dazu. Sonst ist es kein Zitat, sondern eine Abschrift. Und das wollen Sie nicht!

Was ist eine Paraphrase?

Eine Paraphrase ist ein indirektes Zitat: Sie übernehmen einen Textauszug und geben ihn in Ihren eigenen Worten wieder. Oft wird die Quelle bei einem indirekten Zitat auch einfach in indirekter Rede wiedergegeben, zum Beispiel so:

Seidl (2011, S. 64) schreibt, dass Ziele praktisch umsetzbare Positionen seien, die in der Gegenwart von der Person gedacht werden könnten.

Auch eine Paraphrase besteht aus zwei Bausteinen: dem Textauszug und einem Beleg. Der Textauszug steht hier aber nicht in direkter Rede, sondern wird in den Satz eingebaut, zum Beispiel in Form der indirekten Rede. Deshalb ist eine Paraphrase nicht sofort zu erkennen. Sie muss klar vom Rest des Satzes abgegrenzt werden, zum Beispiel durch sprachliche Markierungen wie:

  • Verben des „Sagens und Meinens“:
    • „Maier (2011, S.3) meint, dass […]“.

  • Allgemeine Aussagen:
    • „Zahlreiche Studienergebnisse belegen, dass grünes Gemüse positive Effekte auf die Herzgesundheit hat (Beleg 1, Beleg 2 …)“.

Warum sind Literaturbelege wichtig?

Dafür ein Beispiel für eine unvollständige Paraphrase ohne Literaturbeleg:

„In der neurologischen Verarbeitung gibt es kein „Nein“. Das menschliche Gehirn ist überfordert, wenn es an etwas nicht denken, sich etwas nicht vorstellen soll“ (Beispiel entnommen aus: Seidl, 2011, S. 65).

Seidl schreibt hier, dass das menschliche Gehirn mit etwas „überfordert ist“. Leider gibt sie im Text keine Belege für diese Aussage an. Das heißt, dass ihre Aussage nicht geprüft werden kann. Will sie das etwa? Darüber kann man nur mutmaßen.

Ein weiteres Beispiel:

„Die moderne Gehirnforschung hat gezeigt, dass unser Gehirn ohne Probleme mehr als 10.000 Wörter pro Minute aufnehmen kann – das ist deutlich mehr als die Sprechgeschwindigkeit zulässt“ (Beispiel entnommen aus: Backwinkel & Sturtz, 2011, S. 24).

Wenn Sie so was in einer Haus- oder Abschlussarbeit machen, kann Sie das schnell ein paar Punkte kosten. Und wenn Sie so was in einem Sachbuch, einem Ratgeber oder einem Blogartikel machen, können Sie Ihren eigenen Text damit entwerten. Ganz gleich, wie gut der Text sonst ist.

Schließlich kann jeder behaupten, dass irgendwelche Studien irgendetwas „bewiesen“ haben. Doch eine solche Aussage ist nutzlos, wenn Ihre Leser nicht selbst prüfen können, ob das auch stimmt. Wenn Sie solche unvollständigen Paraphrasen in Ihren Text einbauen, dann entsteht bei vielen Lesern oft der Eindruck, dass Sie etwas verschleiern und sich vor Kritik schützen wollen. Sprich: Sie machen einen unseriösen Eindruck. Und das wollen Sie doch sicher nicht! Also:

Liefern Sie zu jeder Aussage auch einen Literaturbeleg, wenn es notwendig ist!

Vermeiden Sie Sätze wie:

„Die moderne Gehirnforschung hat gezeigt, dass […]“,

wenn Sie nicht belegen können, auf welcher Grundlage Sie diese Aussage treffen. Jeder kann behaupten, dass die „Gehirnforschung“ irgendwas „zeigt“. Das heißt nicht, dass das auch eine sinnvolle und informative Aussage ist. Denn: Wer soll dann prüfen, ob Sie auch die Wahrheit schreiben?

Gewöhnen Sie sich also an, Ihre Aussagen zu belegen und somit belastbar zu machen. Zum Beispiel so:

„Die Gehirnforschung hat gezeigt, dass […] (siehe auch Beleg X, Beleg Y …)“

Das ist viel seriöser. Wie Sie den Beleg platzieren ist egal, wenn Sie nicht gerade eine Haus- oder Abschlussarbeit schreiben und sich an Ihre Zitiervorgaben halten müssen. In Büchern und Blogartikeln können Sie auch mit Fußnoten arbeiten, wenn Sie keine Zusätze in Klammern mögen.

Sonderfälle: „Allgemeinplätze“ und Werbung

Zu dieser „Regel“ gibt es zwei Sonderfälle:

  • Sie schreiben über Allgemeinwissen.
  • Sie schreiben, um Werbung zu machen.

Allgemeinwissen

Wenn Sie nicht gerade eine wissenschaftliche Haus- oder Abschlussarbeit schreiben, dann müssen Sie nicht immer alles belegen. Aussagen wie „Rauchen ist ungesund“ oder „Ältere Menschen können nicht mehr gut sehen und hören“ bedürfen keiner wissenschaftlichen Belege, um akzeptiert zu werden. Sie brauchen auch kein Chemiebuch zu zitieren, wenn Sie schreiben „Wasser kocht bei ca. 100 Grad Celsius“. Bei einer anderen, weniger bekannten Flüssigkeit, sieht das dann natürlich wieder anders aus.

Es gilt: Je spezieller und spezifischer etwas ist, desto eher brauchen Sie Belege. Ein Beispiel dafür ist die „Gehirnforschung“. Die ist nämlich sehr speziell und alles andere als Allgemeinwissen. Stattdessen sind viele Erkenntnisse der Neurowissenschaften widersprüchlich und uneindeutig.

Während Aussagen wie „Das Gehirn hat zwei Hälften: die linke und die rechte“ noch als Allgemeinwissen durchgehen, sind Aussagen wie: „Männer nutzen eher die linke und Frauen eher die rechte Gehirnhälfte“ schon spezifischer. Sie brauchen einen Beleg, sonst kann niemand Ihre Aussage kritisch prüfen.

Wenn Sie also einfach nur schreiben: „Die aktuellste Gehirnforschung hat ergeben, dass Stress nur eine Illusion“ ist, dann ist das eine steile These, die Sie selbstverständlich auch belegen müssen. Das heißt natürlich nicht, dass solche Thesen „verboten“ sind, ganz im Gegenteil. Sie sollten aber immer in der Lage sein, Ihren Lesern zu zeigen, auf welcher Grundlage Ihre These steht. Sonst erwerben Sie schnell einen unseriösen und zweifelhaften Ruf. Und den sollten Sie nur dann anstreben, wenn Sie ihn auch wollen, weil er beispielsweise Teil Ihrer Strategie ist.

Werbung

Manchmal wollen Sie vielleicht gar nicht informieren, sondern werben. Das sind zwei verschiedene Schreibzwecke. Manche tarnen jedoch Werbung in pseudoinformative Aussagen wie:

„Zahlreiche Erkenntnisse der Gehirnforschung belegen, dass unser Produkt klasse ist“.

Wenn diese „zahlreichen Erkenntnisse der Gehirnforschung“ dann nicht auch belegt werden, ist eine solche Aussage nichts weiter als Verbrauchertäuschung. Wenn Sie die „zahlreichen Erkenntnisse der Gehirnforschung“ nachvollziehbar belegen können oder wollen, ist das super. Wenn Sie das aber nicht können oder wollen, dann lassen Sie solche pseudoinformativen Aussagen lieber ganz weg.

Dann müssen Sie auch nichts belegen und können stattdessen einfach direkt schreiben, wie „klasse“ Ihr Produkt ist. Das täuscht dann auch Ihre Leser nicht mehr. Sobald Sie sich aber auf irgendwelche Forschungsergebnisse beziehen, sollten Sie auch mindestens einen Beleg liefern. Das ist Ihre Verantwortung, wenn Sie auch wirklich informieren wollen.

Pseudoinformative Aussagen können nämlich dazu führen, dass Ihre Leser denken, Ihr Werbetext sei auch ein informativer Text. Wenn Sie Ihren Text nicht klar als Werbung kennzeichnen, können Sie damit viel Schaden anrichten.

Fazit: Wessen Rad entwickeln Sie weiter?

Wenn Sie einen Text schreiben, dann sind Sie auch dafür verantwortlich, bestimmte Aussagen zu belegen. Niemand kann das Rad völlig neu erfinden, nur sondern nur neue Einzelteile. Deshalb sollten Sie so fair sein, und kennzeichnen, wessen Rad Sie weiterentwickeln.

Dafür brauchen Sie Zitate und Paraphrasen. Beide bestehen aus zwei Bauteilen: einem Textauszug und einem Beleg. Sobald ein Baustein fehlt, sind sie unvollständig. Es besteht also „Belegpflicht“.

Diese „Belegpflicht“ gilt nicht nur für wissenschaftliche Texte, sondern auch für alle anderen Gebrauchstexte, die Leser über etwas informieren sollen. Grundsätzlich gilt: Sobald Sie etwas Spezifisches und Spezielles schreiben, dann brauchen Sie auch einen Literaturbeleg! Deshalb lautet die „Informationsbuchführungsregel“:

(fast) keine Informationsbuchung ohne Beleg!

Literatur

Backwinkel, H., & Sturtz, P. (2011). Schneller lesen. Freiburg: Haufe.

Seidl, B. (2011). NLP: Mentale Ressourcen nutzen. Freiburg: Haufe.

Bildnachweis

Pixabay (jackmac34)