Eine Einladung zum regelmäßigen Schreiben

Nur wenig fällt vom Himmel: Hagel, Regen und Schnee zum Beispiel. Und manchmal auch das eine oder andere Flugzeug. Nur „Genie“, „Talent“ und „Kreativität“ nicht, dafür müssen wir arbeiten, auch beim Schreiben. Doch wie? Indem wir regelmäßig schreiben. Und genau davon möchte ich Sie hier überzeugen.

Warum sollten Sie regelmäßig schreiben? Das erfahren Sie hier. Im Bild: Ein Mann, der auf einer Straße joggt.

Würden Sie morgen einen Marathon laufen? Einfach so, ohne Training? Ohne, dass Sie sich verletzen?

Sie ahnen es: Wahrscheinlich würden Sie das eher nicht machen. Sie würden sagen:

„Dafür bin ich nicht genug in Form“.

Und das ist auch sinnvoll. Schließlich können Sie sich selbst schaden, wenn Sie untrainiert versuchen, einen Marathon zu laufen. Ihre Gelenke und Bänder könnten beschädigt werden. Sie müssten während des Laufens essen, wahrscheinlich zum ersten Mal in Ihrem Leben und Ihrem Magen würde das gar nicht gefallen. Ihr Mageninhalt würde dann zwar laufen, Sie aber nicht mehr. Kurz: Es ist keine gute Idee, morgen einen Marathon zu laufen. Zumindest, wenn Sie untrainiert sind. Doch:

Was hat das mit dem Schreiben zu tun?

Die Frage ist berechtigt. Schließlich ist das ein Blog über das Schreiben und nicht über Sport. Aber viele Schreibende setzen an sich selbst einen ähnlichen Anspruch: Eine Schreibaufgabe in möglichst kurzer Zeit und ohne Übung abzuschließen. Die Resultate: „Schreibexzesse“ (Wymann, 2015, S. 25) und Startschwierigkeiten. Auf beides können Sie sicher gut verzichten.

Schreibexzesse

Vielleicht hatten Sie auch schon einmal einen Schreibexzess: Sie müssen morgen eine Hausarbeit abgeben, haben aber bislang nichts dafür gemacht. Und jetzt gibt es kein Zurück mehr. Es ist Nacht. Sie sitzen am Schreibtisch, umgeben von halbleeren Kaffeetassen, Essensresten und ausgedruckten Texten. Vielleicht liegt noch das eine oder andere Buch vor Ihnen. Und Sie hauen in die Tasten.

Solche nächtlichen Hau-Ruck-Aktionen sind anstrengend. Sie zehren nicht nur an den Kräften, sie können auch fatale Folgen für Ihr weiteres Schreiben haben. Schließlich erleben Sie bei solchen Schreibexzessen das Schreiben als etwas Mühsames, etwas, das anstrengend und unbefriedigend ist. Und Schreibexzesse zeigen Ihnen, was Sie nicht können, nämlich auf Knopfdruck viel schreiben. Das ist frustrierend.

Startschwierigkeiten beim Schreiben

Der Anspruch, in möglichst kurzer Zeit möglichst viel zu schreiben, kann auch zu einem anderen Schreibproblem führen: Startschwierigkeiten. Sie wissen nicht, wie Sie mit dem Schreiben anfangen sollen. Vielleicht haben Sie sogar schon ein paar Ideen notiert, aber es ist einfach unmöglich, sie in Schriftsprache zu übersetzen.

Und das nicht, weil Sie „dumm“ sind, sondern schlicht und ergreifend deshalb, weil Sie keine Schreiberfahrung haben. Vielleicht Facebook-Nachrichten und Einkaufszettel das einzige, was Sie regelmäßig schreiben. Es ist klar, dass Sie dann keinen vollständigen Text in einer Sitzung schreiben können. Das wäre wie wenn Sie einen Marathon laufen, ohne jemals dafür trainiert zu haben. Sie werden danach sicher ärztliche Unterstützung brauchen. Und denken:

„Laufen ist einfach nichts für mich. Kein Mensch sollte laufen, das liegt einfach nicht in unserer Natur“.

Beim Schreiben ist es genauso. Sie stellen an sich den Anspruch, auf der Stelle einen guten, vollständigen Text zu schreiben, obwohl Sie darin keine Übung haben. Dann scheitern Sie und denken:

„Schreiben ist einfach nichts für mich“.

Schreiben ist eine Fähigkeit

Ein hartnäckiges Gerücht über das Schreiben ist, dass es von Talent und Genie abhängt. Und sicher gibt es Menschen, die besser schreiben können als andere. Aber:

Jeder Mensch kann gute Texte schreiben, wenn er regelmäßig schreibt.

Warum kann Ihre Professorin so gute Bücher und Aufsätze schreiben? Sicher nicht, weil sie ein „Naturtalent“ ist, sondern weil sie seit Jahren regelmäßig schreibt. Vielleicht sogar täglich. Und auch die meisten „genialen“ Schriftsteller wurden vor allem deshalb „genial“, weil sie regelmäßig schrieben. Oder stellen Sie sich Journalisten vor: Das Schreiben ist ihr Job. Sie haben jahrelang geübt, um aus dem Stehgreif veröffentlichungsfähige Texte zu schreiben. Doch das mussten sie erst lernen, egal wie „talentiert“ sie vorher waren.

Warum sollte das bei Ihnen anders sein? Sie haben vielleicht nicht vor, vom Schreiben zu leben, aber wäre es nicht schön, wenn Sie Ihre Schreibaufgaben erledigen könnten, ohne Schreibexzesse und Startschwierigkeiten? Wenn Sie sich sicher fühlen, wenn Sie schreiben? Denn darum geht es auch:

Selbstsicherheit beim Schreiben

Es geht darum, Ihre „schreiberische Selbstsicherheit“ zu stärken (Wolfsberger, 2016, S. 70). Das ist das Gefühl, dass auch Sie in der Lage sind, einen sinnvollen Text zu schreiben. Und das, ohne dass Sie sich dabei selbst schaden müssen. Sie brauchen Zutrauen in Ihre eigene „Schreibstimme“. Das können Sie nur entwickeln, wenn Sie regelmäßig schreiben.

Stellen Sie sich vor, Sie stünden kurz vor einem großen und anspruchsvollen Schreibprojekt. Einer Masterarbeit beispielsweise. Wenn Sie dabei sofort von null auf hundert gehen ohne vorher geübt zu haben, dann können Sie scheitern. Und sich das Schreiben für immer verleiden. Das muss nicht sein! Also:

Schreiben Sie regelmäßig!

Nur, wenn Sie regelmäßig schreiben, sich selbst erleben, wie Sie Ihre Gedanken in Text übersetzen, können Sie Selbstsicherheit beim Schreiben entwickeln. Was sollen Sie schreiben? Das ist egal. Wichtig ist nur, dass Sie es regelmäßig machen. Zwei Themen eignen sich besonders gut für das regelmäßige Schreiben:

  • Schreiben über sich selbst
  • Schreiben über das Schreiben

Schreiben Sie über sich selbst

Das eigene Leben ist ein gutes Thema zum regelmäßigen Schreiben. Nehmen Sie sich täglich die Zeit und schreiben Sie über sich selbst und Ihr Leben. Wie geht es Ihnen? Was machen Sie? Es ist völlig egal, ob Sie ein „spannendes“ oder ein „langweiliges“ Leben führen. Sie sind die einzige Person, die jemals das lesen wird, was Sie über sich selbst schreiben. Sie können alles auch direkt nach dem Schreiben wieder vernichten. Ich mache das auch: Jeden Morgen nach dem Aufstehen setze ich mich hin und schreibe mindestens eine DIN-A4-Seite voll mit meinen morgendlichen Gedanken, meistens werden es dann drei DIN-A4-Seiten. Und dann zerreiße ich das alles wieder und werfe es weg. Mein Kopf ist leer. Der Tag kann beginnen.

Schreiben Sie über das Schreiben

Auch das Schreiben selbst ist ein gutes Thema zum regelmäßigen Schreiben. Wie läuft Ihre Masterarbeit? Wo klemmt es? Nehmen Sie sich vor Ihrer eigentlichen Schreibsitzung kurz die Zeit und schreiben Sie es auf, ganz unzensiert. Wenn das Schreiben beschissen läuft, dann schreiben Sie, wie beschissen es läuft. Auch hier gilt: Nur Sie selbst werden das jemals lesen. Auch diese Texte können Sie sofort wieder vernichten. Am besten, Sie verbrennen sie!

Schreiben Sie Ihre Ängste und Zweifel auf. Und dann verbrennen Sie sie!

Deshalb sollten Sie regelmäßig schreiben

Wenn Sie Startschwierigkeiten und Schreibexzesse vermeiden wollen, dann sollten Sie regelmäßig schreiben. Es ist wichtig, dass Sie sich selbst regelmäßig dabei erleben, wie Sie Ihre Gedanken in Text übersetzen können. Das stärkt Ihre schreiberische Selbstsicherheit. Und es kann Ihnen viel Frust ersparen.

Viele Personen finden Schreiben frustrierend. Sie haben das Gefühl, dass sie nicht schreiben können. In Wirklichkeit haben sie aber nur nicht genug Übung im Schreiben. Sie haben kein Zutrauen in ihre Schreibfähigkeit. Und zwar, weil sie sich nicht die Zeit genommen haben, ihre Schreibfähigkeit zu entwickeln.

Machen Sie es anders!

Literatur

Wolfsberger, J. (2016). Frei geschrieben. Mut, Freiheit und Strategie für wissenschaftliche Abschlussarbeiten. 4. Auflage. Wien: Böhlau Verlag.

Wymann, C. (2015). Der Schreibzeitplan. Zeitmanagement für Schreibende. Opladen: Verlag Barbara Budrich.

Bildnachweise

Pixabay (komposita, Pexels)

 

 

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