Rezension: Von der Idee zum Text

Dies ist eine Rezension des Buches „Von der Idee zum Text. Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben von Helga Esselborn-Krumbiegel (2014). Es ist ein vielseitiger und praktischer Ratgeber für das wissenschaftliche Schreiben für viele Studierende der meisten Fächer.

Rezension: Von der Idee zum Text. Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Arbeiten von Helga Esselborn-Krumbiegel. Im Bild: das Cover des Buches.

Schreiben ist schon seit langem ein elementarer Bestandteil der meisten Studiengänge. Viele Studierende tun sich jedoch schwer mit dem Schreiben.  Deshalb gibt es zahlreiche Bücher, die ihnen beim Schreiben zur Seite stehen sollen. Eines davon ist Helga Esselborn-Krumbiegels Buch Von der Idee zum Text. Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben.

In dieser Rezension werde ich zunächst den Kontext des Buches darstellen (1). Anschließend werde ich die wesentlichen Teile des Inhaltes wiedergeben (2). Zum Schluss werde ich es in einem Fazit (3) beurteilen.

Von der Idee zum Text. Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben ist eine praktisch fundierte und vielseitige Handreichung für viele Studierende der meisten Fächer. Jedoch gibt die Autorin einen Rat, den Studierende einiger Fächer lieber nicht befolgen sollten.

Kontext

Helga Esselborn-Krumbiegel ist promovierte Germanistin. Sie leitet das Schreibzentrum der Universität Köln. Dort ist Sie unter anderem in der Schreibberatung von Studierenden und Promovierenden tätig.

Die Erstausgabe von Von der Idee zum Text. Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben wurde 2002 veröffentlicht. Mittlerweile liegt das Buch in der 4. Auflage (2014) vor.

Inhalt

Zu Beginn schreibt Esselborn-Krumbiegel (2014) über „Lust und Frust beim wissenschaftlichen Schreiben“ (Kapitel 1). Anschließend gibt sie einen kurzen Überblick über den Inhalt des Buches.

Im folgenden Kapitel behandelt die Autorin das Thema „Arbeits- und Zeitplanung“ (Kapitel 2). Zunächst entwickelt sie ein Phasenmodell des Schreibens. Dieses besteht aus den folgenden Phasen: a) Orientierung (z.B. Ideen sammeln), b) Recherche, c) Strukturieren (u.a. Hypothesen aufstellen und Gliederung entwerfen), d) Rohfassung (u.a. Hauptteil der Arbeit niederschreiben) und e) Überarbeiten. Bei empirischen Arbeiten kommt nach der Orientierungs-Phase noch eine zusätzliche Phase hinzu: die Phase der Erhebungen/Untersuchungen. Anschließend beschreibt sie die einzelnen Phasen. Zudem behandelt sie in diesem Kapitel die Themen „Zeitplanung“ und „Arbeitsbedingungen“ (z.B. die Wahl des passenden Arbeitsplatzes).

Danach beschreibt sie das, was „von der Idee zur Fragestellung“ stattfindet: die Ideenfindung und die Eingrenzung des Themas. Zur Ideenfindung stellt sie zahlreiche Kreativitätstechniken (u.a. Clustern oder das Führen eines wissenschaftlichen Tagebuches) vor.

Im Anschluss versucht sie, ihren Lesern den „Weg durch den Forschungsdschungel“ (Kapitel 4) zu bahnen. Es geht um Recherchemethoden und das Lesen von wissenschaftlichen Texten. Ein weiteres Thema ist das Zitieren und Referieren von Forschungsliteratur. Sie beschreibt, wie und wann zitiert oder referiert wird und welchen Zweck dies in wissenschaftlichen Texten hat.

Im nächsten Kapitel widmet sie sich dem Thema „Strukturen finden“ (Kapitel 5). Es geht darum, Ideen und Belege zu ordnen. Dazu schlägt sie das „Waage-Modell“ (S. 104ff.) vor, mit dem die Argumentation entwickelt werden soll. Das soll geschehen, indem Hypothesen und Belege einander gegenübergestellt werden. Zudem stellt sie gängige „Gliederungsmodelle“ (S. 115ff.) vor, anhand der wissenschaftliche Texte aufgebaut werden können.

Anschließend behandelt sie die „Rohfassung“ (Kapitel 6). Sie stellt eine Methode vor, mit der die Argumentation entfaltet werden kann: die „Kritzelzeichnung“ (S. 136.f), in der alle Argumentationsstränge grafisch dargestellt werden sollen. Anschließend soll ein „Textskelett“ für den Hauptteil (S. 138) entwickelt werden. Hier soll zu jedem Argument ein zentraler Satz formuliert werden und anschließend mit Belegen und Diskussionen ergänzt werden. Zudem beschreibt sie im Kapitel die einzelnen Bestandteile der Rohfassung: Einleitung, Schluss sowie Literaturverzeichnis und Anhang.

Im nächsten Kapitel gibt die Autorin Ratschläge, wie Studierende „leserbezogen schreiben“ (Kapitel 7) können. Dazu sei zum einen die „kognitive Struktur“ (S. 163) wichtig, also die gedankliche Klarheit des Textes. Um für gedankliche Klarheit zu sorgen, solle man a) Konzepte leserbezogen einführen, b) Argumentationszusammenhänge verdeutlichen und c) die Ergebnisse im Langzeitgedächtnis des Lesers verankern. Aber auch „sprachliche Prägnanz“ (S. 173) sei wichtig. Zur Erhöhung der sprachlichen Prägnanz rät die Autorin unter anderem, Satzgefüge überschaubar zu halten, treffende Worte zu nutzen sowie Nominalisierungen und Passivkonstruktionen sparsam zu verwenden. Zudem definiert sie einen sprachlichen „Giftschrank“ (S. 184ff.): Formulierungen, die in wissenschaftlichen Texten lieber nicht verwendet werden sollten, wie Füllwörter und stereotype Formulierungen (z.B. „ein heißes Eisen“). Abschließend gibt sie „Tipps für die Praxis“ (S. 187ff.), anhand derer ihre Anregungen in die Praxis umgesetzt werden können. Dazu gehört unter anderem das Umschreiben von Texten in verschiedene Textsorten.

Im darauffolgenden Kapitel widmet sich Esselborn-Krumbiegel dem Thema „Überarbeiten“ (Kapitel 8). Dabei sollen alle vorher beschriebenen Arbeitsschritte noch einmal systematisch abgearbeitet werden: Argumentation und Belege, sprachliche Prägnanz und Formalia wie Formatierung, Literaturverzeichnis und Rechtschreibung.

Im letzten Kapitel gibt die Autorin „Tipps und Tricks bei Schreibblockaden“ (Kapitel 9). Zunächst solle man sich die Frage stellen, was das eigene „Lieblingsproblem“ sei, das einen vom Schreiben abhält. Das sind Probleme wie Anfangssituationen („Nicht anfangen können“, S. 206), Selbstzweifel („Der innere Kritiker“, 209ff.) sowie Schwierigkeiten bei der Selbststeuerung („Chaos“, S. 214 und „Zeitdruck“, S. 217f.) und Motivation (S. 215f.).

Von der Idee zum Text – Fazit

Helga Esselborn-Krumbiegel weiß, worüber sie schreibt. Als langjährige Schreibberaterin kann sie aus einem großen Erfahrungsbestand schöpfen. Sie weiß, welche Sorgen und Schwierigkeiten Studierende in Bezug auf das Schreiben haben. Gerade dann, wenn es um Schreibblockaden geht. Diesem Thema widmet sie ein ganzes Kapitel und gibt sinnvolle und hilfreiche Ratschläge.

Dabei plädiert sie vor allem für einen handlungsorientierten Zugang zum Schreiben. „Schreiben lernt man nur durch Schreiben“, dieser Satz zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch. Für Esselborn-Krumbiegel ist Schreiben in erster Linie eins: eine Fähigkeit. Und Fähigkeiten können wir nur dann erwerben, wenn wir sie regelmäßig anwenden.

Außerdem behandelt sie ausgiebig die Themen Motivation und Kreativität. Sie stellt zahlreiche Kreativitätstechniken und Möglichkeiten zur Motivationssteigerung vor. Das ist vor allem für diejenigen wichtig, die beim Schreiben großen Wert auf Motivation und Kreativität legen. In anderen Büchern, wie Otto Kurses Keine Angst vor dem leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durchs Studium (2007) kommen diese Themen insgesamt zu kurz.

Esselborn-Krumbiegel demonstriert im Laufe des Buches die Wirksamkeit ihrer eigenen Ratschläge. So beginnt jedes Kapitel mit einer „Vorstrukturierung“ (S. 167f.). Dabei gibt sie kurze Gliederung und Kurzzusammenfassung des Kapitels. Jedes Kapitel endet mit dem Versuch, „die Ergebnisse im Gedächtnis des Lesers“ (S. 173) zu verankern. Sie fasst die zentralen Inhalte des Kapitels noch einmal kurz zusammen. Das ist vor allem lernpsychologisch sinnvoll. Nur einmal hält die Autorin sich leider nicht an ihren eigenen Ratschlag. Wo, das steht weiter unten.

Die Autorin selbst betont, dass ihr Buch für Studierende aller Fächer geeignet sei. Das ist jedoch nur begrenzt zutreffend. Zwar gibt sie zahlreiche Formulierungsbeispiele aus verschiedenen Fächern. Doch dabei handelt es sich zumeist um Beispiele aus den Bereichen Literaturwissenschaft, Politikwissenschaften und Betriebswirtschaftslehre. Fächer, die sich eher an quantitativ-empirischen Forschungsmethoden orientieren, wie Natur- und Ingenieurswissenschaften oder die Psychologie, kommen zu kurz.

Sie gibt einen Ratschlag, an den sich Studierende solcher Fächer lieber nicht halten sollten. Sie rät, Forschungshypothesen nach der Datenerhebung zu formulieren (S. 22). Das kann aber bei quantitativ-empirischen Arbeiten schnell als „wissenschaftliches Fehlverhalten“ beurteilt werden. In solchen Arbeiten sollten die Forschungshypothesen bereits vor der Versuchsplanung und Datenerhebung und -auswertung formuliert werden, nachdem sie aus der Theorie abgeleitet wurden. Bei empirisch-qualitativen Arbeiten mag das von der Autorin vorgeschlagene Vorgehen durchaus Sinn ergeben, beispielsweise wenn mit dem Grounded-Theory-Ansatz gearbeitet wird. Aber nicht bei quantitativen Arbeiten. Studierende, die eine solche Arbeit schreiben, sollten diesen Rat ignorieren.

In Kapitel 7 („Leserbezogen schreiben“) referiert die Autorin „neuere Forschungen“ zur Leseverständlichkeit (S. 166). Jedoch gibt sie keine Belege für diese „neueren Forschungen“ an. Das fand ich schade, weil ich mich für das Thema „Leseverständlichkeitsforschung“ sehr interessiere und mich für dementsprechende Quellen sehr interessiert hätte. Das Fehlen von Belegen an dieser Stelle ist vor allem deshalb ärgerlich, weil die Autorin selbst noch einige Kapitel zuvor schrieb, wie wichtig es sei, indirekte Zitate zu belegen.

Insgesamt ist Von der Idee zum Text. Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben von Helga Esselborn-Krumbiegel ein vielseitiges, praktisch fundiertes und hilfreiches Buch für viele Studierende zahlreicher Studiengänge. Jedoch hat es in der vorliegenden Auflage noch eine wissenschaftliche Ungereimtheit (s.o.). Wenn das Buch tatsächlich den Anspruch erhebt, für Studierende aller Fächer geeignet zu sein, dann sollte diese Ungereimtheit in einer neuen Auflage beseitigt werden.

Literatur

Esselborn-Krumbiegel, H. (2014). Von der Idee zum Text: Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben. Paderborn: Ferdinand Schöningh.

Kruse, O. (2007). Keine Angst vor dem leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durchs Studium. Frankfurt am Main: Campus.

 

 

 

 

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