Rezension: Keine Angst vor dem leeren Blatt

Dies ist eine Rezension des Buches „Keine Angst vor dem leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durchs Studium“ von Otto Kruse (2007). Es ist nicht nur ein guter Schreibratgeber, sondern auch ein nützliches Buch für das gesamte Studium.

Eine Rezension zu dem Buch "Keine Angst vor dem leeren Blatt" von Otto Kruse Schreiben ist schon seit langem ein elementarer Bestandteil der meisten Studiengänge. Viele Studierende tun sich jedoch schwer mit dem Schreiben.  Deshalb gibt es zahlreiche Bücher, die ihnen beim Schreiben zur Seite stehen sollen. Eines davon ist Otto Kurses Buch Keine Angst vor dem leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durchs Studium.  Das erscheint bereits seit 1993 und liegt mittlerweile in der zwölften Auflage (2007) vor.

In dieser Rezension werde ich zunächst den Kontext des Buches darstellen (1). Anschließend werde ich die wesentlichen Teile des Inhaltes wiedergeben (2). Zum Schluss werde ich es in einem Fazit (3) beurteilen.

Keine Angst vor dem leeren Blatt ist nicht nur ein guter, praktischer Schreibratgeber, sondern auch ein nützliches Buch für Studierende aller Fächer in allen Phasen ihres Studiums.

1. Kontext

Otto Kruse ist Psychologe und Schreibforscher. Zuletzt hat er am Fachbereich für Angewandte Linguistik an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften gelehrt. Außerdem ist er Schreibberater.

Kruse ist Vertreter einer sogenannten „prozessorientierten Schreibdidaktik“. Diese richtet ihren Schwerpunkt auf das Zerlegen des Schreibprozesses in übersichtliche Teilprozesse sowie das Überarbeiten des Textes und Feedback als wesentliche Elemente des Schreibens (vgl. Ruhmann & Kruse, 2014, S. 24).  Auch das Verfassen „reflektierender Texte“, wie Lerntagebücher und Portfolios ist ein zentrales Element der prozessorientierten Schreibdidaktik (ebd.). Damit steht sie im Gegensatz zu einer „normorientierten Schreibdidaktik“, die sich hauptsächlich darauf beschränkt, Schreibenden die Regeln „guten Schreibens“ und grammatischen Grundwissens zu vermitteln (ebd., S. 16). Rückmeldung für ihre Texte erhalten Schreibende dort nur in Form von Korrektur, Bewertung und Benotung (ebd., S. 28).

2. Inhalt

Kruses Buch beginnt mit einem historischen Überblick über das Schreiben im Studium, Ausführungen zur Bedeutung des Schreibens im Studium und typische Probleme, die Studierende mit dem Schreiben haben (Kapitel 1).

Daraufhin behandelt Kruse die Grundlagen des Schreibens (Kapitel 2). Er schreibt unter anderem über die Schreibsituation, den Schreibprozess, Schreibstrategien, Schreibmotivation, Schreibmedien sowie über Zielgruppen und Themen von Texten.

Im Anschluss beschreibt er, warum Schreiben für ihn vor allem eine Konstruktion von Wissen (Kapitel 3) ist. Er gibt einen kurzen Überblick darüber, was wissenschaftliches Wissen ist und wie es sich von alltäglichem Wissen unterscheidet. Anschließend stellt er dar, welche Rolle das Schreiben in der wissenschaftlichen Diskursgemeinschaft hat. Er stellt einen idealtypischen „Forschungskreislauf“ dar, so wie er in Einführungsveranstaltungen in das wissenschaftliche Arbeiten an vielen Hochschulen gelehrt wird. Zudem stellt er die Unterschiede zwischen Referieren und Zitieren in den Natur- und Ingenieurswissenschaften auf der einen und Geistes- und Sozialwissenschaften auf der anderen Seite dar.  Ein weiteres Unterkapitel widmet er dem Thema „Plagiieren, verfälschen und erfinden“.

Im darauffolgenden Kapitel schreibt er über die „Gestaltung von Sprache in Schreibprojekten“ (Kapitel 4). Zunächst stellt er die Unterschiede zwischen Wissenschaftssprache und anderen Sprachstilen dar. Dann erläutert er, wie Schreibende, seiner Auffassung und Erfahrung nach, sowohl wissenschaftlich als auch verständlich schreiben können.

Das nächste Kapitel stellt das Herzstück seines Buches dar. Hier zerlegt er den „Schreibprozess Schritt für Schritt“ (Kapitel 5). Er teilt den Schreibprozess in vier idealtypische Teilprozesse ein: a) Vorbereitung und Planung, b) Datenerhebung und Materialsammlung, c) Überarbeitung des Textes und d) Text abschließen und publizieren.  Er betrachtet all diese Prozesse als rekursiv, d.h., dass sie nicht linear aufeinander folgen, sondern sich im Laufe des Schreibprozesses ständig aufeinander beziehen.

Anschließend gibt Kruse einen Überblick über verschiedene „Schreibanlässe und Textgenres im Studium“ (Kapitel 6). Nach Kruse (2007, S. 178f.) gibt es verschiedene wissenschaftliche Text-Genres, die sich in fünf Gruppen einteilen lassen: a) Transistorische Texte (z.B. Exzerpte), b) Forschungsdarstellungen (z.B. Literaturübersichten), c) Dokumentationen (z.B. Laborberichte), d) Didaktische Genres (z.B. Lerntagebücher) und e) berufliche Genres (z.B. technische Dokumentationen).

Im folgenden Kapitel schreibt er über das „Schreiben in fremden Kontexten, Sprachen und Genres“ (Kapitel 7). Hauptsächlich schreibt er über die Unterschiede in bestimmten „Schreibkulturen“, beispielsweise zwischen verschiedenen „nationalen Schreibtraditionen“ (ebd., S. 225) oder wissenschaftlichen Disziplinen (ebd., S. 231ff.). Außerdem geht er kurz auf weitere Text-Genres ein, die zwar nicht im Studium, aber im Berufsleben relevant sein können, beispielsweise das „populärwissenschaftliche Schreiben“ (ebd., S. 234).

Im letzten Kapitel gibt Kruse kurz „einige praktische Tipps zum Schluss“ (Kapitel 8). Hier geht es um typische Schreibprobleme, wie Schreibblockaden und -hemmungen, Anfangssituationen („Das leere Blatt“), Zeitmanagement, die Arbeitsbeziehungen zu Lehrkräften, die das Schreibprojekt betreuen und Feedback für den eigenen Text.

3. Keine Angst vor dem leeren Blatt: Fazit

Otto Kurse ist nicht nur ein erfahrener Wissenschaftler, sondern auch ein erfahrener Schreibberater. Das merkt man in jeder Zeile seines Buches.  Er weiß, welche Probleme Studierende oft mit dem Schreiben haben und wie sie sie beheben können. Und beim sachlichen, präzisen und lesbaren Schreibstil, den er propagiert, geht er mit gutem Beispiel voran.

Kruse macht zahlreiche Lösungsvorschläge, die sich an Studierende in allen Phasen ihrer Ausbildung (Grundstudium, Hauptstudium und Postgraduierten-Phase) gleichermaßen wenden. Kruse legt einen besonderen Schwerpunkt auf die Überarbeitung des Textes. Diese solle in drei Schritten ablaufen: a) Inhaltliche Überarbeitung, b) Sprachliche Überarbeitung und c) Korrekturlesen. Die inhaltliche Überarbeitung sollte, so Kruse (2007, 159ff.), von den Schreibenden selbst vorgenommen werden. Die anderen Übearbeitungsschritte können und sollten von fremden Personen durchgeführt werden. Das ist sinnvoll, denn inhaltliche Überarbeitungen sollten grundsätzlich von Schreibenden selbst durchgeführt werden, während bei sprachlichen Aspekten wegen der fehlenden Distanz zum eigenen Text eher Blicke von außen helfen.

Kruse gibt auch hilfreiche Ratschläge für den Umgang mit Literatur. Das ist wichtig, denn viele Studierende neigen dazu sich hierbei zu „verzetteln“, indem sie zwar viel lesen, dabei aber den Überblick über das Gelesene verlieren. Stattdessen schlägt Kruse ein „organisiertes Verzetteln“ vor: In Anlehnung an Umberto Ecos Klassiker Wie man eine wissenschaftliche Abschlußarbeit schreibt (Eco, 2005) rät er, „Lektüre-Karten“ anzulegen und in einem Karteikasten zu sammeln und zu organisieren. Diese Karten sollen neben bibliografischen Angaben auch kurze Exzerpte und Schlagworte enthalten. Alternativ könne man dazu auch eine Software nutzen. Kruse selbst empfiehlt das Programm „Evernote“, doch es gibt sicher noch elegantere und effizientere Vorgehensweisen. Ein Beispiel schlägt Fast (2015) in seinem Buch Die Zettelkastenmethode vor.

An manchen Stellen erscheint die referierte und zitierte Literatur jedoch mittlerweile etwas veraltet. Vor allem Studien zur Schreibpraxis in den neuen Bachelor- und Masterstudiengängen wären wünschenswert. Doch das liegt daran, dass der Kerntext des Buches selbst schon recht alt ist. Schließlich wurde es erstmals 1993 veröffentlicht und die derzeitige Ausgabe stammt aus dem Jahre 2007. Sie ist also bereits zehn Jahre alt. Sicher wird bald eine neue Auflage mit aktuellen referierten Studien erscheinen.

Kruse ist kein aktivierender und motivierender Schreibcoach, sondern ein sachlicher, lösungsorientierter Schreibdidaktiker. Motivationstipps und Kreativitätstechniken sucht man bei ihm vergebens. Studierende, die auf solche Inhalte großen Wert legen, sollten eher zu anderen Büchern greifen, beispielsweise Von der Idee zum Text von Helga Esselborn-Krumbiegel (2014).  Auch über Schreibblockaden schreibt Kruse nur wenig. Der Untertitel „Ohne Schreibblockaden durchs Studium“ ist daher leicht irreführend. Diesem Thema widmet er lediglich knapp drei Seiten am Ende des Buches.

Auch wenn Kruse selbst einen psychologischen Hintergrund hat und sich viele Beispiele im Buch vornehmlich an Studierende geistes- oder sozialwissenschaftlicher Fächer richten, ist es auch für Studierende natur- und ingenieurswissenschaftlicher Studiengänge geeignet.

Keine Angst vor dem leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durchs Studium von Otto Kruse ist ein nützlicher Ratgeber für Studierende aller Fächer in allen Phasen ihres Studiums. Es enthält nicht nur eine begründete Auseinandersetzung mit dem Warum des Schreibens im Studium, sondern auch praktische Ratschläge und Anleitungen für sämtliche möglichen Probleme im Schreibprozess.

Literatur

Eco, U. (2005). Wie man eine wissenschaftliche Abschlußarbeit schreibt. Heidelberg: C.F. Müller.

Esselborn-Krumbiegel, H. (2014). Von der Idee zum Text: Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben. Paderborn: Ferdinand Schöningh.

Fast, S. (2015). Die Zettelkastenmethode: Kontrolliere dein Wissen. Bielefeld: Eigenverlag über CreateSpace.

Kruse, O. (2007). Keine Angst vor dem leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durchs Studium. Frankfurt am Main: Campus.

Ruhmann, G., & Kruse, O. (2014). Prozessorientierte Schreibdidaktik: Grundlagen, Arbeitsformen, Perspektiven. In. S. Dreyfurst, & N. Sennewald (Hrsg), Schreiben. Grundlagentexte zur Theorie, Didaktik und Beratung (S. 15-34). Opladen: Verlag Barbara Budrich.

 

 

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