Texte zähmen: Literaturverwaltung für Ihr Schreibprojekt

Egal ob Bachelorarbeit, Sachbuch oder Blog-Artikel: Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem man sich fragt „Wo stand das noch mal?“. Eine Literaturverwaltung kann Ihnen dabei helfen, diese Situation zu vermeiden. Doch wie? Das erfahren Sie in diesem Artikel.

In dieser Artikelreihe stellen ich Ihnen eine tolle Möglichkeit zur Literaturverwaltung vor. Im Bild: Ein Haufen Bücher.

In dieser kurzen Artikelreihe stelle ich Ihnen ein Programm vor, mit dem Sie Literatur nicht nur verwalten können. Mit diesem Programm können Sie sogar Texte miteinander verbinden, sodass Ihr Text fast wie von selbst entstehen kann. Die Rede ist von: Zkn3 von Daniel Luedecke. Das ist nicht nur kostenlos, sondern auch einfach zu bedienen. Doch warum sollten Sie sich überhaupt mit Literaturverwaltung beschäftigen?

Wenn Sie schon mal einen umfangreicheren Text schreiben mussten, für den Sie recherchieren mussten, kennen Sie vielleicht das Problem:

Wo stand das noch mal?

Es ist mitten in der Nacht und Sie schreiben an einer Hausarbeit, die Sie eigentlich schon gestern abgeben mussten. Gut, dass Ihr Hausarzt kooperativ ist und Ihnen ein Attest ausgestellt hat. Sie haben noch mal zwei Wochen mehr Zeit, um Ihre Hausarbeit abzugeben. Die brauchen Sie jetzt auch, Sie haben nämlich noch gar nichts geschrieben, kein einziges Wort. Sie sind nicht allein in Ihrem Zimmer, da sind noch ganz viele Gegenstände: Bücher, Ausdrucke und vielleicht die eine oder andere Schokoladenverpackung oder gar das eine oder andere Taschentuch, weil Sie Ihre Erkrankung nicht nur simuliert haben, sondern wirklich gerade ein bisschen verschnupft sind. Und natürlich ist da noch Ihr Computer: In Ihrem Browser sind zahlreiche Tabs geöffnet mit irgendwelchen Texten und auch in Ihrem PDF-Programm sind viele Texte geöffnet. Und dann geht es los: Sie schreiben. Und schon im ersten Absatz schreiben Sie über etwas, was Sie in einem dieser tausend Texte gelesen haben, die sich mit Ihnen im Raum befinden. Das Problem: In welchem? Wo stand das noch mal?

Jetzt haben Sie zwei Möglichkeiten. Die weniger schlimmer: Sie verlieren die Nerven. Das kann ja immer wieder passieren und ich bin mir sicher, dass Sie Ihre Nerven bald wiederfinden werden. Die schlimmere: Sie machen einen Fehler, und zwar einen schwerwiegenden, nämlich einen inhaltlichen: Sie weisen das Zitat einem anderen Autor zu. Oder Sie vergessen, den Literaturbeleg zu ergänzen, und schaffen so eine potenzielle Plagiatsfundstelle in Ihrem Text. Und das nur, weil Sie nicht mehr wissen, wo das stand, worüber Sie gerade schreiben. Das wäre Ihnen nicht passiert, wenn Sie sich von Anfang an mit dem Thema „Literaturverwaltung“ beschäftigt hätten …

Aber auch, wenn Sie sich in diesem Beispiel nicht wiederfinden, zum Beispiel, weil Sie nicht studieren, sondern ein Sachbuch schreiben wollen oder Blog-Artikel zu einem rechercheintensiven Thema kann es früher oder später vorkommen, dass Sie sich fragen: „Wo stand das noch mal?“

Literaturverwaltung ist wichtig

Für die meisten Texte gehört Literaturverwaltung einfach dazu. Schließlich kommen Sie irgendwann an den Punkt, an dem Sie nicht mehr über etwas schreiben, was Sie sich selbst ausgedacht haben, sondern jemand anderes. Und den müssen Sie dann auch entsprechend würdigen, Sie sind ja kein Plagiator.

Aber selbst, wenn Sie einen Roman schreiben wollen, kann es passieren, dass Sie Literaturverwaltung brauchen. Wenn Sie zum Beispiel einen Erotikthriller schreiben, der zur Zeit der Französischen Revolution spielt, dann sollten Sie zumindest ein bisschen mehr über die Französische Revolution wissen als das, was Sie mal bei Galileo oder YouTube darüber gesehen haben. Und damit Sie sich aufs Schreiben konzentrieren können, sollten Sie Ihre Rechercheergebnisse an einem zentralen, gut zugänglichen Ort lagern – in einer Literaturverwaltung.

Doch wie kann eine Literaturverwaltung aussehen? Meiner Meinung nach gibt es zwei Möglichkeiten.

Zwei Möglichkeiten der Literaturverwaltung

Sie können Ihre Literatur entweder analog verwalten, indem Sie beispielsweise – ganz klassisch – eine Kartei anlegen. Auf jedes Karteikärtchen schreiben Sie alle Angaben, die ein Literaturbeleg benötigt (Titel, Name des Autors, Erscheinungsdatum, Verlag etc.). Das ist schön, Sie haben etwas in der Hand, vielleicht mögen Sie das ja. Blöd wird es aber dann, wenn Sie ein Literaturverzeichnis anlegen müssen. Dann müssen Sie nämlich alle Informationen von Ihrer Karteikarte abschreiben und verlieren so Zeit und haben eine neue Fehlerquelle, nämlich das Abschreiben. Im Handumdrehen wird aus „1993“ „1939“, und das muss ja nicht sein.

Sie können Ihre Literatur aber auch digital verwalten. Das heißt unter anderem, dass Sie alle Informationen zum Literaturbeleg in ein Computerprogramm eingegeben. Das Programm erstellt Ihnen dann mit einem Mausklick ein korrektes Literaturverzeichnis. Es gibt viele Literaturverwaltungsprogramme. Ich teile sie in zwei Kategorien ein, ohne den geringsten Anspruch auf informationswissenschaftliche Exaktheit:

  • einfache Literaturverwaltungsprogramme
  • erweiterte Literaturverwaltungsprogramme

Einfache Literaturverwaltungsprogamme

Das sind Programme, die so funktionieren, wie ich es oben beschrieben habe: Sie geben die Informationen zu einem Literaturbeleg in das Programm ein. Manche Programme haben auch Erweiterungen, mit denen Sie direkt im Browser mit einem Mausklick die entsprechenden Informationen ins Programm übernehmen können. In einigen Programmen können Sie die einzelnen Belege auch verschiedenen Schreibprojekten zuweisen. Ein kostenloses Beispiel dafür ist Zotero.

Erweiterte Literaturverwaltungsprogramme

Mit den Programmen, die ich hier als „erweitert“ bezeichne, können Sie noch ein bisschen mehr machen. Sie können nämlich auch Notizen zu den jeweiligen Literaturbelegen verfassen. Das ist praktisch, denn so können Sie gleich auch die Inhalte der Quelle zusammenfassen, die zu Ihrem Schreibprojekt gehören, sprich: sogenannte „Exzerpte“ oder Lesenotizen. Sie können auch Ihre eigenen Gedanken zu der jeweiligen Quelle aufschreiben und im Programm sammeln. Es schadet ja nicht, sich auch etwas zu den Quellen zu denken, Sie sollten ja etwas einigermaßen Sinnvolles damit machen und nicht nur einen Nachdruck anfertigen. Beim Schreiben schauen Sie dann nach, was Sie sich zu der entsprechenden Quelle gedacht haben, und können es direkt in Ihren Text einbauen. Und am Ende lassen Sie sich per Mausklick auch noch Ihr Literaturverzeichnis erstellen. Ein kostenpflichtiges Beispiel für ein solches Programm ist Citavi.

Citavi ist toll, hat aber einen Nachteil: Es kostet Geld. Es gibt zwar eine kostenlose Version, aber die ist auf 100 Titel begrenzt, und je nachdem, was Sie vorhaben, kann das zu wenig sein. Aber vielleicht studieren Sie ja und Ihre Hochschule hat einen Vertrag mit Citavi, sodass Sie die Vollversion während Ihres Studiums kostenlos nutzen können. Doch irgendwann studieren Sie dann nicht mehr und wollen vielleicht aus verschiedenen Gründen Ihre Literaturverwaltung mit ins echte Leben nehmen, zum Beispiel, weil Sie in einen Beruf starten, in dem Sie viel schreiben müssen und in dem Ihnen Ihr Wissen aus dem Studium helfen kann. Außerdem ist Citavi sehr komplex, und vielleicht haben Sie gerade keine Zeit, an einer Citavi-Schulung irgendwo in den Katakomben Ihrer Hochschule teilzunehmen.

Wenn das so ist, können Sie auf eine Alternative zurückgreifen: einen digitalen Zettelkasten.

Alternative: Literaturverwaltung mit einem digitalen Zettelkasten

Digitale Zettelkästen sind Programme, in denen Sie Literaturbelege und Notizen sammeln. Sie können aber auch jeder einzelnen Notiz Schlagwörter zuweisen und sie mit Links miteinander verbinden, so wie Sie das aus dem Internet oder Ihrem eigenen Gehirn kennen. Das ist praktisch, denn mit ein bisschen Übung und Erfahrung können Sie dann im Handumdrehungen Gliederungen für Ihre Texte und sogar ganze Rohfassungen erstellen. Wie und warum Sie das machen können, verrate ich Ihnen in einem anderen Artikel.

Auch bei den digitalen Zettelkästen gibt es verschiedene Programme und Anbieter. Bei Christian Tieze und Sascha Fast von zettelkasten.de finden Sie eine (englische) Übersicht. Ich nutze das kostenlose Programm Zkn3 von Daniel Luedecke. Warum?

Gründe für Zkn3

  • Es ist kostenlos.
    • Und damit meine ich auch wirklich kostenlos. Bei kostenlosen Dingen ist es ja oft so, dass Sie trotzdem bezahlen müssen, vor allem mit Ihrer E-Mail-Adresse, an die dann ständig Newsletter geschickt werden. Das ist hier aber nicht der Fall.
  • Es ist frei.
    • Zkn3 ist so frei, dass Sie es noch nicht einmal auf einem Computer installieren müssen, um es zu benutzen: Sie können das Programm überall nutzen, wo Sie gerade sind. Sie können es auch auf einem USB-Stick immer mit sich tragen und von diesem USB-Stick auf jedem Computer starten. Und: Alles, was Sie in das Programm schreiben, bleibt auch nur da. Es wird auf keinem Server gespeichert, alles bleibt immer im Programm selbst gespeichert.
  • Es ist einfach.
    • Sie brauchen keine Schulung, um Zkn3 nutzen zu können. Theoretisch können Sie sofort loslegen, das Programm ist sehr intuitiv. Das liegt wahrscheinlich an der Absicht, mit der Daniel Luedecke dieses Programm erstellt hat: Er ist Wissenschaftler und wollte sich möglicherweise ein einfaches Programm bauen, das ihm bei seiner Arbeit hilft.

Doch natürlich ist Zkn3 keine „eierlegende Wollmilchsau“. Falls Sie sich an einem der folgenden Punkte stören sollten, ist Zkn3 wahrscheinlich nichts für Sie:

Gründe gegen Zkn3

  • Es ist nicht „fancy“.
    • Bei Zkn3 fliegt und leuchtet nichts. Es ist ein klassisches Programm mit Fenstern, die Sie öffnen und schließen können. Alles ist sehr schlicht gehalten und modernes, „intelligentes“ Design werden Sie dort nicht finden. Falls eine Software für Sie auch ein ästhetisches Erlebnis sein soll, dann sollten Sie sich eine andere Lösung suchen. Zum Beispiel das neue „Auratikum“. Das hat nicht nur alle Zettelkastenfunktionalitäten, sondern es sieht auch „modern“ aus und verspricht ein angenehmes „Look and feel“. Allerdings kostet die Vollversion Geld. Kostenlos können sie dort zehn Zettel anlegen, aber das ist natürlich zu wenig für eine sinnvolle „Zettelkastenarbeit“. Außerdem ist es eine reine Online-Lösung. Das heißt, Ihre Daten sind im Internet gespeichert und nicht bei Ihnen. Aber vielleicht stört Sie das ja nicht (mich persönlich stört es).
  • Es ist nicht „perfekt“.
    • Es gibt einige Dinge bei Zkn3, die nicht immer optimal laufen, es hat ein paar „Macken“. Doch die werden Ihnen erst dann auffallen, wenn Sie schon eine Zeit lang mit dem Programm arbeiten. Und wenn das so weit ist, werden Sie schon Ihre eigenen „Workarounds“ finden. Es ist wichtig, Zkn3 im Verhältnis zu sehen: Für das, was Sie bezahlen (nichts) erhalten Sie eine Menge – und das frei von einer wirtschaftlichen Gewinnerzielungsabsicht.
  • Es ist kein „klassisches“ Literaturverwaltungsprogramm.
    • Sie können mit Zkn3 kein automatisches Literaturverzeichnis mit einem Mausklick erstellen. Dafür müssen Sie erst die Literaturangaben in ein Dateiformat exportieren, das dann von einem Literaturverwaltungsprogramm weiterverarbeitet werden kann. Natürlich können Sie die Literaturbelege schon in Zkn3 im Zitationsstil Ihrer Wahl speichern, dann lernen Sie auch gleich, diesen irgendwann völlig automatisch zu verwenden. Wenn Sie aber Texte mit einem größeren Literaturverzeichnis schreiben wollen, kommen Sie um ein einfaches Literaturverwaltungsprogramm nicht herum. Ich empfehle Zotero.

Falls Sie diese drei Punkte aber nicht davon abhalten, Zkn3 zumindest auszuprobieren, können Sie loslegen. Es dauert nur wenige Sekunden bis Minuten und es kann losgehen. Wie? Das erfahren Sie im nächsten Artikel. Bis dahin können Sie ja schon mit ein paar Programmen experimentieren.

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Pixabay (PublicCo)