In diesem Beitrag möchte ich Sie überzeugen, dass Quellenangaben in Sachbüchern wichtig sind. Außerdem erfahren Sie, was Sachbücher mit Baugerüsten zu tun haben.

Ein gutes Sachbuch unterhält nicht nur. Doch was ist das eigentlich, ein gutes Sachbuch? Auf diese Frage fallen mir viele Antworten ein. Eine davon:

Ein gutes Sachbuch ist eine Dienstleistung für den Leser!

Was heißt das? In einem guten Sachbuch geht es nicht um den Autor als Experten, der zeigt, wie viel er über das Thema weiß. Es geht darum, dass der Leser nach dem Lesen mehr über das Thema weiß als vorher. Dass er sich mehr dafür interessiert. Und dass er sich eine eigene Meinung bilden kann, wenn er das möchte. Sie als Autor sind dabei nur ein Gerüstbauer: Sie schaffen die Grundlage dafür, dass der Leser sicher an seinem Wissen weiterarbeiten kann.

Bauen Sie ein Gerüst für Ihre Leser!

Das heißt: Wenn Sie ein nützliches Sachbuch für Ihre Leser schreiben wollen, brauchen Sie die Teile, um dieses Gerüst zu bauen. Dazu gehören: Literaturbelege und Quellenangaben in Sachbüchern.

Warum finde ich das so wichtig?

Aussagen müssen prüfbar sein!

Klare Sache: Quellenangaben und Literaturbelege gehören in jeden wissenschaftlichen Text. Dort sind sie eine eher trockene, mühsame Sache. Sachbücher sind keine wissenschaftlichen Texte und im Idealfall keine trockene, mühsame Sache. Warum sollten Sie also Ihre Zeit damit verschwenden, sich mit einer trockenen und mühsamen Sache zu beschäftigen? Weil das Ihr Sachbuch seriöser macht.

Um das zu verdeutlichen, zeige ich Ihnen eines meiner Lieblingsbeispiele:

Die moderne Gehirnforschung hat gezeigt, dass unser Gehirn ohne Probleme mehr als 10.000 Wörter pro Minute aufnehmen kann – das ist deutlich mehr, als die Sprechgeschwindigkeit zulässt 1Beispiel entnommen aus Backwinkel & Sturtz, 2011, S. 24.

In diesem Beispiel behaupten die Autoren: Die „moderne Gehirnforschung“ hat irgendetwas gezeigt. Das klingt beeindruckend, denn wer will schon die moderne Gehirnforschung hinterfragen? Das Problem an dieser Aussage: Ich als Leser kann sie nicht prüfen. Das ist blöd, denn wie soll ich sonst wissen, ob die Autoren hier die Wahrheit schreiben oder sich diese bahnbrechende Erkenntnis der modernen Gehirnforschung nur ausgedacht haben? Als kritischer Leser frage ich mich: Verschweigen die mir etwas?

Doch natürlich sind nicht alle Leser so kritisch wie ich. Und vielleicht wollen Sie ja auch gar nicht, dass kritische Leser Ihr Buch in die Hände bekommen. Vielleicht wollen Sie einfach nur ein Buch zu Ihrem Thema schreiben, um zu zeigen, wie viel Sie wissen. Und das ist okay. Ihr Wissen sei Ihnen gegönnt. Doch wenn Sie Ihr Buch in erster Linie für sich selbst schreiben, können Sie schnell vergessen, worum es hier eigentlich geht: Ihre Leser.

Faktenhungrige oder Gefühlsbetonte: Für wen schreiben Sie?

Vor dem Schreiben ist es hilfreich, sich zu überlegen, für wen man schreibt. Für Menschen, die Wert auf Zahlen und Fakten legen? Oder für welche, die Wert auf Gefühle und Geschichten legen?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, seine Zielgruppe zu bestimmen. Zum Beispiel könnten Sie Sternzeichen nutzen. Oder Umfragen. Das Problem: Bei all der Zielgruppenbestimmung kann man sich schnell verlieren und sehr viel Zeit verschwenden. Deshalb empfiehlt die Texterin Petra van Laak 22017, S. 15, sich beim Schreiben lediglich auf zwei Gruppen zu konzentrieren:

  • Faktenhungrige, bei denen eher die Information im Vordergrund steht,
  • Gefühlsbetonte, bei denen eher das Erlebnis im Vordergrund steht.

Natürlich ist das so wie jede andere Typen- und Gruppenlehre nicht besonders wissenschaftlich. Aber hilfreich, denn Sie können nicht für alle Menschen auf einmal schreiben. Sie sollten sich überlegen, welcher Art von Leser Ihr Text später einmal gefallen soll.

Was hat das mit Quellenangaben in Sachbüchern zu tun? Brauchen Sie die nur, wenn Sie sich entscheiden, für Faktenhungrige zu schreiben? Ganz sicher nicht, denn auch Gefühlsbetonte haben ein Recht darauf, zu sehen, woher Sie Ihre Ideen haben. Und falls Ihr Buch einmal die Hände eines seltenen gefühlsbetonten Faktenhungrigen oder eines noch selteneren faktenhungrigen Gefühlsbetonten fallen sollte, machen Sie mindestens einen Menschen sehr glücklich. Wenn Sie also sagen: „Ich brauche keine Quellenangaben oder Literaturbelege, weil ich eher für Gefühlsbetonte schreibe“, ist das nichts weiter als eine Ausrede.

Ich habe geschrieben, dass auch „Gefühlsbetonte“ ein Recht darauf haben, zu sehen, woher Sie Ihre Ideen haben. Das werde ich jetzt ein bisschen weiter vertiefen.

Quellenangaben in Sachbüchern sind eine Frage der Fairness – und der Transparenz.

Transparenz: Wo kommen Ihre Gedanken her?

Der Münchener Journalismusprofessor Stefan Brunner 32011, S. 62 schreibt:

„Aus guter Quelle entspringt der wahre Text.“

Wenn Sie die Wahrheit schreiben wollen, ist ein offener Umgang mit Quellen wichtig. Denn Menschen, so schreibt Brunner weiter, finden Texte umso glaubwürdiger, je leichter sie die Quellenlage erkennen können. Können sie nicht erkennen, woher die Informationen stammen, werden sie skeptisch.

Ihre Leser haben ein Recht darauf, zu sehen, wie Sie zu Ihren Gedanken gekommen sind. Damit sie besser nachvollziehen können, warum Sie schreiben, was Sie schreiben.

Und: Mit Quellenangaben im Sachbuch können die Leser Ihr Buch nutzen, um sich selbst weiter mit dem Thema zu beschäftigen, indem sie sich mit Ihren Quellen auseinandersetzen. Ich selbst habe in Sachbüchern schon viele Verweise auf andere interessante Texte gefunden und freue mich jedes Mal, wenn ich so etwas Neues entdecke. Viele Ihrer Leser bestimmt auch.

Bisher habe ich nur Argumente genannt, nach denen Literaturbelege und Quellenangaben in Sachbüchern eher ein Nice to have sind. Etwas, das zwar sinnvoll ist und gut, aber nicht zwangsläufig ein Muss.

Doch manchmal haben Sie gar keine andere Wahl und sind sogar rechtlich dazu verpflichtet, eine Quellenangabe in Ihr Sachbuch aufzunehmen. Nämlich dann, wenn Sie fremdes Gedankengut wiedergeben.

Zitieren: Die Gedanken sind frei, aber …

Sobald ein Autor seine Gedanken niederschreibt und veröffentlicht, sind sie geschützt. Glücklicherweise dürfen Sie in bestimmten Fällen die Gedanken anderer Autoren trotzdem in Ihrem Text wiedergeben. Das ist dann ein Zitat. Und bei Zitaten gilt in Sachbüchern, Blogartikeln und allen anderen Texten dasselbe wie in wissenschaftlichen Arbeiten:

Keine Informationsbuchung ohne Beleg!

Wenn Sie etwas zitieren und nicht angeben, wo das Original steht, ist Ihr Text ein Plagiat. Und das ist gefährlich, weil Sie dann Ärger kriegen können. Großen Ärger.

Doch es gibt es noch einen weiteren Grund, warum Literaturbelege und Quellenangaben in Sachbüchern wichtig sind. Dieses Mal hat es etwas mit dem Thema zu tun. Und mit Ihnen als Autor sowie Ihren Lesern.

Die Illusion der Erklärungstiefe: Leser zum Besser- und Weiterdenken anregen

Nicht jeder, der ein Sachbuch schreibt, ist ein sogenannter ausgewiesener Experte, der schon viel selbst zu dem Thema geforscht hat. Ich finde das nicht schlimm. Ganz im Gegenteil: Nicht jeder muss Experte über das sein, worüber er schreibt.

Es ist keine Schande, ein Laie zu sein. Und anders als Experten sind Laien in einer angenehmen Situation: Sie müssen nicht ständig ihre Sicht auf das Thema bestätigen und alle anderen ausblenden. Sie können viel unvoreingenommener an ein Thema herangehen als Experten, die sich ihren Standpunkt in jahre-, vielleicht sogar jahrzehntelanger Forschung erarbeitet haben und gar nicht mehr in der Lage sind, andere Standpunkte einzunehmen. So können Laien ihren Lesern das Thema breiter und abwechslungsreicher vermitteln.

Doch wenn Laien versuchen, einen komplexen Sachverhalt einfach zu beschreiben, kann es gefährlich werden. Dann kann es nämlich passieren, dass sie einen Baum sehen und für den ganzen Wald halten: Sie denken, sie verstehen den Sachverhalt, haben aber tatsächlich nur einen Teil davon verstanden. Das wird in der Psychologie auch als Illusion der Erklärungstiefe bezeichnet 4„Illusion of explanatory depth“, Rozenblit & Keil, 2002 – eine große Herausforderung für alle, die verständlich über komplexe Dinge schreiben wollen.

Ich selbst bin übrigens auf die Illusion der Erklärungstiefe aufmerksam geworden, als ich vor ein paar Jahren ein Sachbuch gelesen habe, nämlich Konzentriert euch! von Daniel Goleman. Darin schreibt Goleman in einer Anmerkung am Ende des Buches 5Goleman, 2013, S. 356, dass er nicht ausschließen kann, dass auch er beim Schreiben diesem Denkfehler zum Opfer gefallen ist. Was kann man dagegen tun?

Endnoten: Ein wichtiger Zusatznutzen für Ihre Leser

Goleman rät, möglichst viele Endnoten ins Buch zu packen. Endnoten sind kleine Zahlen, die wie Fußnoten aussehen. Doch anders als Fußnoten stehen Endnoten nicht im unteren Bereich der Seite, sondern am Ende des Buches. In diese Endnoten können Sie viele Dinge packen, unter anderem natürlich Ihre Quellenangaben und Literaturbelege. Aber Sie können auch kurze Anmerkungen machen, die im Text eher stören würden, etwa weil sie zu spezifisch sind6Aber bitte übertreiben Sie es nicht..

Endnoten sind ein nützlicher Zusatznutzen für Ihre Leser. Sie ermöglichen es ihnen, Ihre Gedankengänge weiterzuverfolgen. Außerdem können sie Ihre Quellen prüfen. Und das Beste: Sie können das freiwillig machen. Wenn sie sich nämlich nicht für die Endnoten interessieren, können sie die kleinen Zahlen einfach ignorieren. So kann jeder zufrieden sein: Faktenhungrige finden im Anhang Fakten, und Gefühlsbetonte können sich genussvoll dem Leseerlebnis hingeben, ohne ständig durch Anmerkungen und Zusatzinformationen gestört zu werden.

Womit wir bei meinem letzten Argument sind: Ein transparenter Umgang mit Quellen ist auch ein Zeichen von Respekt.

Respekt: Schreiben für Erwachsene

Oben habe ich geschrieben, dass Transparenz wichtig ist. Vielleicht haben Sie sich dabei gedacht:

„Selbst wenn im Buch Quellenangaben sind, die Leser werden sie eh nicht prüfen.“

Das ist möglich. Denn nur weil Sie Quellenangaben in Ihr Sachbuch packen, heißt das noch lange nicht, dass alle Leser sie auch nutzen. Es kann sogar sein, dass niemand es macht. Doch das ist kein Grund, darauf zu verzichten. Genauso gut könnte man nämlich auch auf Feuerlöscher verzichten, nach dem Motto: Den benutzt doch eh nicht jeder, der das Gebäude betritt. Bis dann irgendwann doch mal jemand einen Feuerlöscher braucht …

Selbst wenn vielleicht niemand die Quellen prüfen wird: Viele werden Ihr Sachbuch in die Hand nehmen und erst mal hinten nachschauen, ob dort Quellenangaben sind. Einfach nur, um zu schauen, ob sie da sind.

Was Sie sich vielleicht auch gedacht haben könnten:

„Selbst wenn Quellenangaben im Buch sind, die Leser können sie eh nicht prüfen, weil sie sich nicht mit dem Thema auskennen.“

Auch das ist möglich. Tatsächlich ist es sogar sehr wahrscheinlich, dass sich Ihre Leser nicht gut genug mit dem Thema auskennen, um Ihre Aussagen zu prüfen. Sonst würden sie sich nicht für ein verständliches Sachbuch darüber interessieren. Aber lassen Sie doch bitte Ihre Leser selbst entscheiden, wie viele Zusatzinformationen sie sich zumuten können. Und: Wissen Sie wirklich, wie viel oder wenig Ihre Leser wissen? Wofür sie sich interessieren? Und entscheiden das Sie das Ihre Leser selbst?

Wenn Sie für erwachsene Leser schreiben, sollten Sie sie auch wie Erwachsene behandeln.

Fazit: Verzichten Sie niemals auf Quellenangaben in Sachbüchern!

In diesem Artikel habe ich versucht, Sie davon zu überzeugen, dass Literaturbelege und Quellenangaben auch in Sachbüchern wichtig sind. Ich hoffe, es ist mir gelungen. Ihre Leser haben es nämlich verdient, sich von Ihnen ernst genommen zu fühlen.

Auf den ersten Blick scheinen Literaturbelege in Sachbüchern Zeitverschwendung zu sein, nach dem Motto: Dafür interessiert sich doch eh keiner. Doch selbst wenn sich niemand oder nur sehr wenige Leute für Ihre Quellenangaben interessieren, kann Ihnen das egal sein, denn Sie haben daran gedacht.

Und mindestens einen Leser glücklich gemacht: den, der sich dafür interessiert.

Literatur

Backwinkel, H., & Sturtz, P. (2011). Schneller lesen. Freiburg: Haufe.

Brunner, S. (2011). Redigieren. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft

Goleman, D. (2013). Konzentriert euch! Eine Anleitung zum modernen Leben. München: Piper.

Laak, van, P. (2017). Clever texten fürs Web. So bringen Sie Ihr Unternehmen zum Glänzen – auf Homepage, Blog, Facebook und Co. Berlin: Dudenverlag.

Rozenblit, L., & Keil, F. (2002). The misunderstood limits of folk science: An illusion of explanatory depth. Cognitive Science, 26(5), 521–562. https://dx.doi.org/10.1207%2Fs15516709cog2605_1

Mehr über Quellenangaben und Literaturangaben

Bildnachweis

Pixabay (AhmadArdity)

Anmerkungen

Anmerkungen
1 Beispiel entnommen aus Backwinkel & Sturtz, 2011, S. 24
2 2017, S. 15
3 2011, S. 62
4 „Illusion of explanatory depth“, Rozenblit & Keil, 2002
5 Goleman, 2013, S. 356
6 Aber bitte übertreiben Sie es nicht.

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