Der Gedankenstrich – ein Zeichen für besondere Momente

In diesem Artikel erfahren Sie, was Sie mit dem Gedankenstrich machen können und welche Regeln Sie dabei beachten sollten. Außerdem zeige ich Ihnen ein paar Situationen, in denen dieses Satzzeichen sinnvoll ist.

Der Gedankenstrich ist ein praktisches Satzzeichen

Heute stelle ich Ihnen ein Satzzeichen vor, das viele vermeiden, weil sie nicht wissen, was sie damit anstellen sollen: den Gedankenstrich. In diesem Artikel erfahren Sie, was Sie mit diesem praktischen langen Strich anfangen können. Außerdem zeige ich Ihnen einen häufigen Zeichensetzungsfehler und wie Sie ihn vermeiden können.

Doch vorher erfahren Sie erst mal die wichtigsten Zeichensetzungsregeln für den korrekten Umgang mit dem Gedankenstrich.

Wozu ist der Gedankenstrich gut?

Der Gedankenstrich wird benutzt, um bestimmte Informationen im Satz von anderen abzugrenzen – zum Beispiel, um sie besonders zu betonen. Sie können den Gedankenstrich auf zwei Weisen verwenden: einfach und paarig.

Einfacher Gedankenstrich

Den einfachen Gedankenstrich können Sie benutzen, um:

  • etwas Unerwartetes oder eine wichtige Zusatzinformation an den Satz zu hängen:
    • „Er führt ein ruhiges, beschauliches Leben – dann wird sein Hund entführt.“
  • den Satz zu strukturieren und Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Satzteil zu lenken:
    • „Ihr geht es gut – mir nicht.“
  • eine Information anzukündigen:
    • „Sein Geld, seine Hoffnung, seine Ehre – alles war verloren.“
  • einen zeitlichen Verlauf anzuzeigen:
    • „Kaffee in den Filter geben – mit Wasser übergießen – ziehen lassen – fertig!“
  • einen Themenwechsel zwischen zwei Sätzen deutlich zu machen:
    • „Willst du einen Kaffe? – Um die Leiche im Kofferraum kümmern wir uns später.“
  • einen Sprecherwechsel in einem Dialog einzuleiten:
    • „Geht es dir gut?“ – „Nein, aber das spielt keine Rolle.“
  • einen plötzlichen Abbruch im Text anzuzeigen:
    • „Hast du schon die neue –“ Weiter konnte sie nicht sprechen, weil sie bemerkte, dass Ewald nicht allein war.

Wenn Sie sich die Liste mit den Einsatzmöglichkeiten anschauen, können Sie eines schon mal sehen: Der einfache Gedankenstrich macht Eindruck. Er zwingt den Leser dazu, für einen Moment innezuhalten, eine Pause beim Lesen zu machen. Vor allem beim literarischen Schreiben – also in Romanen und Kurzgeschichten – können Sie mit einem einfachen Gedankenstrich einige interessante Stileffekte erzielen.

Schauen wir uns nun seinen Kollegen an, den paarigen Gedankenstrich.

Paariger Gedankenstrich

Den paarigen Gedankenstrich können Sie benutzen, um:

  • einen Satz im Satz abzugrenzen:
    • „Eines Tages – ich glaube, es war irgendwann im Herbst – beschloss Herbert, sein Leben zu ändern.“
  • einen Nachtrag zu einem Wort im Satz zu platzieren:
    • „Kai-Uwe – mein damaliger bester Freund – und ich hatten immer viel Spaß.“
  • eine nachgestellte Erläuterung zu einem Satzteil abzugrenzen:
    • „Kai-Uwe war gerne draußen – vor allem allein im Wald –, doch er konnte auch stundenlang drinnen vor dem Fernseher sitzen.“
      • Oft werden diese Erläuterungen mit bestimmten Formulierungen eingeleitet, zum Beispiel „also“, „besonders“, „das heißt“, „insbesondere“, „nämlich“, „vor allem, „und das“.
    • Wörter und Wortgruppen abzugrenzen, die Sie durch ein hinweisendes Wort angekündigt haben:
      • „Er – mein Freund Kai-Uwe –und ich waren ein gutes Team.“

In den allermeisten Fällen könnten Sie statt eines Gedankenstrichs auch ein Komma oder runde Klammern benutzen, aber manchmal ist der Gedankenstrich besser oder sogar die einzige korrekte Möglichkeit. Wann? Das erfahren Sie weiter unten in diesem Text. Vorher müssen wir uns nämlich noch mit einer weiteren wichtigen Sache beschäftigen: den Zeichensetzungsregeln beim Gedankenstrich.

Die wichtigsten Zeichensetzungsregeln beim Gedankenstrich auf einen Blick

Wenn Sie mit dem Gedankenstrich arbeiten wollen, müssen Sie sich an folgende Regeln halten:

  • Vor und nach dem Gedankenstrich kommt immer ein Leerzeichen.
    • „Kai-Uwe – mein damaliger bester Freund – und ich hatten immer viel Spaß.“
  • Nach dem Gedankenstrich wird grundsätzlich kleingeschrieben.
    • Das gilt auch, wenn ein vollständiger Satz in Gedankenstrichen steht.
    • „Eines Tages – es war im Herbst – beschloss Herbert, sein Leben zu ändern.“
    • Ausnahme: Das erste Wort nach dem Gedankenstrich ist ein Name oder ein Hauptwort.
  • Nach dem Gedankenstrich muss manchmal ein Komma gesetzt werden.
    • „Eines Tages beschloss Herbert –für viele überraschend –, dass er sein Leben ändern wollte.“
    • Das ist dann notwendig, wenn ein Einschub vor dem Ende eines Haupt- oder Nebensatzes steht.
      • In dem Fall ist „Eines Tages beschloss Herbert“ ein Hauptsatz. Der Einschub „– für viele überraschend –“ gehört zu diesem Hauptsatz, deshalb wird danach das Komma gesetzt, das den Nebensatz einleitet.
    • Nach einem Einschub mit Gedankenstrich wird kein Punkt gesetzt.
      • Fragezeichen oder Ausrufezeichen werden aber gesetzt, wenn es möglich und nötig ist:
      • „Eines Tages – ist es wirklich schon so lange her? – beschloss Herbert, sein Leben zu ändern.“
      • „Eines Tages – es ist schon viel zu lange her! – beschloss Herbert, sein Leben zu ändern.“

Eines ist an dieser Stelle aber auch wichtig: der Unterschied zwischen Bindestrich und Gedankenstrich.

Kurz oder lang? Bindestrich vs. Gedankenstrich

Es ist wohl einer der häufigsten Zeichensetzungsfehler: die Verwechslung von kurzem Strich und langem Strich. Dazu ein Beispiel:

„Eines Tages – irgendwann im Herbst – beschloss Herbert, sein Leben zu ändern.“

In diesem Beispiel wird der kurze statt der lange Strich benutzt, um einen Einschub vom Satz abzugrenzen. Das ist aber ein Zeichensetzungsfehler. Warum? Weil der kurze und der lange Strich zwei völlig verschiedene Zeichen sind. Das können Sie nachvollziehen, wenn Sie einmal beide Zeichen vergleichen:

„Kai-Uwe – mein damaliger bester Freund – und ich hatten immer viel Spaß.“

In diesem Beispielsatz verbindet der kurze Strich die Wörter „Kai“ und „Uwe“ zum Namen „Kai-Uwe“. Der lange Strich hingegen grenzt den Zusatz „mein damaliger bester Freund“ vom restlichen Satz ab.

Wenn Sie diesen Zeichensetzungsfehler in Zukunft vermeiden wollen, können Sie sich also an folgender Faustregel orientieren:1nach Scholten, 2016,  S. 73

Der kurze Strich verbindet – der lange trennt

Oder genauer: Der kurze Strich hält zusammen, was zusammengehört, aber gerade aus verschiedenen Gründen nicht zusammengeschrieben wird. Das macht er als Bindestrich und als Trennstrich:

  • kurzer Strich als Bindestrich
    • Der Bindestrich wird oft genutzt, um einzelne Wortbestandteile vom Rest abzugrenzen, um sie so besonders hervorzuheben.
      • „Ich bin überzeugter Nicht-Christ.“
    • Der Bindestrich wird aber auch benutzt, um unübersichtliche Wörter zu gliedern oder Wortkombinationen zu strukturieren.
      • „Ich muss noch meine Einnahmen-Überschuss-Rechnung erstellen.
  • kurzer Strich als Trennstrich
    • Der Trennstrich verbindet Wortbestandteile, die durch einen Zeilenumbruch getrennt werden. Das haben Sie ganz sicher schon mal in einem gedruckten Text gesehen.

Der lange Strich macht genau das Gegenteil: Er trennt, was nebeneinandersteht, aber nicht unmittelbar zusammengehört: Gedanken, Zusatzinformationen, Orte und Zeitpunkte, aber auch Zahlen, wenn er als Minuszeichen verwendet wird.

Zeichensetzungsfehler vermeiden

Jetzt kennen Sie einen häufigen Zeichensetzungsfehler, doch wie können Sie ihn vermeiden? Da der Gedankenstrich ein Sonderzeichen ist, finden Sie ihn leider nicht auf der Tastatur. Manche Textverarbeitungsprogramme – zum Beispiel Word – können aber automatisch einen falschen kurzen Strich in einen korrekten langen verwandeln, wenn Sie ein Leerzeichen vor und nach dem kurzen Strich setzen. Aber es gibt auch Tastenkombinationen, mit denen Sie den korrekten Strich setzen können. Am Ende dieses Artikels finden Sie einen Link zu einer Seite, auf der Sie Tastenkombinationen für viele Sonderzeichen finden.

Wenn Sie keine Lust haben, jedes Mal beim Schreiben eine Tastenkombination einzugeben, empfehle ich Ihnen Folgendes:

Tipp: Suchen Sie nach dem Schreiben mit „Suchen und Ersetzen“ einfach alle kurzen Striche, vor und nach denen ein Leerzeichen ist. Ersetzen Sie diese dann durch den korrekten langen Strich.

So weit zur Zeichensetzung. Ich habe Ihnen aber auch versprochen, noch ein bisschen mehr über den Gedankenstrich zu schreiben. Das mache ich jetzt. Los geht es mit einer Frage, die Sie sich vielleicht schon seit dem Anfang dieses Artikels stellen:

Sind Komma, Klammer und Gedankenstrich nicht dasselbe?

Oft können Sie selbst entscheiden, ob Sie Einschübe und Zusätze mit Komma, Klammer oder Gedankenstrich abgrenzen wollen:

  • „Eines Tages, es war mitten im Herbst, beschloss Herbert, sein Leben zu ändern.“
  • „Eines Tages (es war mitten im Herbst) beschloss Herbert, sein Leben zu ändern.“
  • „Eines Tages – es war mitten im Herbst – beschloss Herbert, sein Leben zu ändern.“

In allen drei Sätzen sind Komma, Klammer und Gedankenstrich gleichwertig. Sie können selbst entscheiden, was Ihnen besser gefällt und was besser zu Ihrem Text passt.

Das geht aber nicht immer, zum Beispiel in diesem Fall:

  • „Eines Tages, es war mitten im Herbst!, beschloss Herbert, sein Leben zu ändern.“
  • „Eines Tages (es war mitten im Herbst!) beschloss Herbert, sein Leben zu ändern.“
  • „Eines Tages – es war mitten im Herbst!– beschloss Herbert, sein Leben zu ändern.“

Sie ahnen es sicher schon: Der erste Satz ist falsch. Warum? Weil es nicht erlaubt ist, nach einem Satzschlusszeichen ein Komma zu setzen. Und ein Ausrufezeichen ist ein Satzschusszeichen (genauso wie ein Fragezeichen oder ein Punkt). Deshalb sind in diesem Fall nur Klammer und Gedankenstrich erlaubt.

Welches Satzzeichen Sie wählen, hängt also erst mal von den Zeichensetzungsregeln ab.

Es gibt aber noch einen Fall, in dem Komma, Klammer und Gedankenstrich nicht gleichwertig sind:

  • „Kai-Uwe war ein, recht kleiner, dynamischer Typ.“
  • „Kai-Uwe war ein (recht kleiner) dynamischer Typ.“
  • „Kai-Uwe war ein – recht kleiner – dynamischer Typ.“

Auch hier ist der erste Satz falsch und es sind nur Klammer und Gedankenstrich möglich. Warum? Bei „recht kleiner“ handelt es sich um einen Zusatz zu „dynamischer Typ“. Ein Komma wäre nur dann möglich, wenn sich die Worte „recht kleiner“ und „dynamischer“ gleichermaßen auf „Typ“ bezögen, wenn Kai-Uwe also sowohl klein als auch dynamisch wäre. Der Satz müsste dann so lauten:

  • „Kai-Uwe war ein recht kleiner, dynamischer Typ.“

Doch das ist hier nicht der Fall: Kai-Uwe ist nur dynamisch (und, nebenbei bemerkt, recht klein). Deshalb kann dieser Zusatz nur mit Gedankenstrich und Klammer abgegrenzt werden.

Wenn Sie einen Einschub oder Zusatz abgrenzen wollen und sich zwischen Komma, Klammer oder Gedankenstrich entscheiden müssen, hängt die Entscheidung also nicht nur von den Zeichensetzungsregeln ab, sondern auch von der Beziehung der eingeschobenen oder zusätzlichen Wörter zum Rest des Satzes.

Jetzt wissen Sie, dass Komma, Klammer und Gedankenstrich nicht immer gleichwertig sind. Vielleicht fragen Sie sich jetzt:

Was ist besser: Komma, Klammer oder Gedankenstrich?

Grundsätzlich hat jedes dieser drei Zeichen seine Vor- und Nachteile. Die Frage, welches besser ist, kann ich hier also nicht pauschal beantworten. Dazu schauen wir uns mal wieder ein Beispiel an:

  • „Kai-Uwe, mein damaliger bester Freund, und ich waren ein gutes Team.“
  • „Kai-Uwe (mein damaliger bester Freund) und ich waren ein gutes Team.“
  • „Kai-Uwe – mein damaliger bester Freund – und ich waren ein gutes Team.“

Alle drei Sätze sind korrekt. Das Einzige, was anders ist, ist die Art und Weise, wie der Einschub „mein damaliger bester Freund“ abgegrenzt wird. Hier sehen Sie schon, warum vor allem das Komma nicht immer optimal ist.

Unübersichtichkeit und Komma-Kummer

Warum ist das Komma nicht immer optimal? Weil das Komma so viele verschiedene Funktionen hat, dass es beim Lesen manchmal falsch interpretiert werden kann. In diesem Fall könnte das Komma nämlich als Teil einer Aufzählung aufgefasst werden („Kai-Uwe, mein damaliger bester Freund […]“). Gott sei Dank habe ich im Beispielsatz das Komma vor dem „und“ gesetzt, doch stellen Sie sich vor, ich hätte es vergessen. Der ganze Satz hätte auf einmal einen ganz anderen Sinn.

Das Komma ist aber noch aus einem anderen Grund nicht immer optimal: Komma-Kummer.

Das Komma ist eine klassische Fehlerquelle: Viele Schreibende haben Schwierigkeiten damit, korrekte Kommas zu setzen, vielleicht ist das bei Ihnen ja auch so. Warum sollten Sie also das Risiko eingehen und noch mehr Kommas in Ihrem Text setzen, obwohl es in genau dieser Situation mindestens eine andere sinnvolle Option gibt?

Warum Klammern (manchmal) eine gute Wahl sind

Klammern können (manchmal) praktisch sein. Sie haben nämlich einen großen Vorteil gegenüber dem paarigen Gedankenstrich: Man weiß, dass sie ein Ende haben. Sobald eine öffnende Klammer im Satz auftaucht, muss sie auch wieder geschlossen werden. Bei einem Gedankenstrich ist das nicht immer der Fall, denn auf den ersten Blick sieht man nicht, ob es sich um einen einfachen oder einen paarigen Gedankenstrich handelt. Das ist auch der Grund, warum der paarige Gedankenstrich in manchen Stilratgebern als „problematisches Satzzeichen“ bezeichnet wird. 2Schneider, 2001, S. 168

Doch die Klammer hat natürlich auch Nachteile. Welche genau das sind, erfahren Sie in diesem Artikel.

Der Gedankenstrich ist ein Satzzeichen für besondere Momente

Jedes Satzzeichen hilft Lesern und Leserinnen dabei, sich im Text zurechtzufinden. Mit Gedankenstrichen können Sie Ihren Text gliedern, manchmal übersichtlicher als mit Kommas. Außerdem kann der einfache Gedankenstrich manchmal besonders Eindruck machen. Sobald Ihr Leser einen Gedankenstrich sieht, macht sein Auge einen längeren Sprung als bei einem Komma und er weiß: Jetzt kommt was Besonderes!

Das macht den Gedankenstrich zu einem Satzzeichen für besondere Momente – setzen Sie ihn also besser nicht allzu oft ein.

Link

Tastenkombinationen für Sonderzeichen: https://typefacts.com/artikel/tastaturkuerzel

Literatur

Schneider, W. (2001). Deutsch für Profis. Wege zu gutem Stil. 24. Auflage. München: Wilhelm Goldmann Verlag.

Scholten, D. (2016). Denksport Deutsch. Wer hat bloß die Gabel zur Frau und den Löffel zum Mann gemacht? München: dtv.

Mehr über Zeichensetzung

Anmerkungen   [ + ]

1. nach Scholten, 2016,  S. 73
2. Schneider, 2001, S. 168

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