Warum das Semikolon super ist

In diesem Artikel erfahren Sie, was Sie mit dem Semikolon machen können und welche Regeln Sie dabei beachten sollten. Außerdem zeige ich Ihnen ein paar Situationen, in denen dieses Zeichen sinnvoll sein kann.

In diesem erfahren Sie, wie Sie mit dem Semikolon arbeiten können.

Heute stelle ich Ihnen ein Satzzeichen vor, bei dem Sie sich möglicherweise schon gefragt haben: „Wozu ist das eigentlich gut?“ Die Rede ist vom Semikolon.

Das Semikolon

In diesem Artikel erfahren Sie, was Sie mit diesem mysteriösen Satzzeichen machen können und welche Regeln Sie dabei beachten sollten. Danach zeige ich Ihnen ein paar Situationen, in denen das Semikolon sinnvoll sein kann.

Eines vorweg zu Ihrer Erleichterung: Sie müssen das Semikolon nicht benutzen. Es ist ein „fakultatives Satzzeichen“. Es ist also freiwillig. Sie können also auch einen guten Text schreiben, ohne es auch nur ein einziges Mal zu verwenden. Aber es ist trotzdem sinnvoll, ab und zu eines zu benutzen. Doch wann?

Wann Sie das Semikolon verwenden können

Das Semikolon ist ein Satzzeichen, mit dem Sie vor allem zwei Dinge machen können:

  • Aufzählungen strukturieren
  • gleichrangige Teilsätze oder Wortgruppen abgrenzen.

Was das heißt, erfahren Sie jetzt.

Aufzählungen strukturieren mit dem Semikolon

Sie können das Semikolon nutzen, um Aufzählungen übersichtlicher zu strukturieren. Das ist vor allem dann praktisch, wenn Sie eine etwas komplexere Aufzählung mit mehreren „Sinneinheiten“ haben.

Dazu ein Beispiel (nach Staaden, 2016, S. 101):

„Die Landwirte ernten in der Region Gerste, Roggen und Weizen; Kartoffeln, Zuckerrüben und Sellerie; Erdbeeren und Pflaumen.“

In diesem Beispiel werden verschiedene essbare Pflanzen aufgezählt. Manche davon sind Getreide, manche Gemüse und andere Obst. Diese drei Pflanzengruppen sind „Sinneinheiten“. Und diese Sinneinheiten werden mit dem Semikolon voneinander abgegrenzt. Die Informationen im Satz werden so in übersichtliche „Häppchen“ geteilt.

Das ist aber nur eine Sache, die Sie mit dem Semikolon machen können; Sie können noch etwas anderes damit machen.

Gleichrangige Hauptsätze abgrenzen mit dem Semikolon

Was ist ein „gleichrangiger Hauptsatz“? Ein gleichrangiger Hauptsatz ist ein vollständiger Satz, der mit einem anderen in einer sogenannten „Satzreihe“ verbunden ist. Zum Beispiel so etwas:

„Herbert war ein exzellenter Koch; der Brokkoli gelang ihm immer gut; er wurde nie matschig.“

In diesem Beispiel sehen Sie gleich drei vollständige Hauptsätze, die mit dem Semikolon verbunden sind, nämlich:

  • „Herbert war ein exzellenter Koch.“
  • „Der Brokkoli gelang ihm immer gut.“
  • „Er wurde nie matschig.“

Jeder dieser drei Teilsätze könnte im Prinzip allein stehen. Dann stünde am Ende eines jeden Teilsatzes ein Punkt. Sie könnten die Teilsätze auch mit einem Komma verbinden. Oder eben das Semikolon verwenden.

Aber Achtung: Das geht nur, wenn die Teilsätze auch inhaltlich etwas miteinander zu tun haben!

So was geht also nicht:

„Herbert war ein exzellenter Koch; der Brokkoli gelang ihm immer gut; draußen war es sonnig.“

Die ersten beiden Teilsätze können noch mit einem Semikolon verbunden werden, weil sie inhaltlich etwas miteinander zu tun haben. Im dritten Teilsatz geht es auf einmal um etwas ganz anderes, nämlich das Wetter. Das heißt, dass dieser Satz nicht per Semikolon mit den vorherigen verbunden werden kann. Er muss allein stehen.

Außerdem ist noch Folgendes wichtig: In diesem Fall sind nur vollständige Sätze erlaubt – keine Nebensätze, Zusätze oder Ähnliches.

Das sind also die beiden Dinge, die Sie mit dem Semikolon machen können. Doch wie „arbeiten“ Sie mit dem Semikolon? Was sind die Regeln? Die erfahren Sie jetzt. Eines vorweg: Es sind nicht viele.

Zeichensetzungsregeln beim Semikolon

Folgende Regeln müssen Sie beachten, wenn Sie das Semikolon verwenden wollen:

  • Das Semikolon „funktioniert“ wie das Komma; es verpflichtet zur Kleinschreibung. Das bedeutet: Wenn Sie ein Semikolon setzen, müssen Sie danach klein schreiben.
    • Eine Ausname: Das erste Wort nach dem Semikolon ist ein Hauptwort oder ein Name (Hauptwörter und Namen werden nämlich immer groß geschrieben).
      • „Ich mag Herbert; er ist ein exzellenter Koch.“
      • „Ich mag Herbert; Herbert ist ein exzellenter Koch.“
    • Das Semikolon ist aber kein Kommaersatz; es kann nicht zwischen Haupt- und Nebensatz stehen.
      • Folgendes ist also nicht möglich:
        • „Ich mag Herbert; der ein exzellenter Koch ist.“
        • Das geht nur mit Komma:
          • „Ich mag Herbert, der ein exzellenter Koch ist.“
        • Aber: Das gilt nur dann, wenn der Nebensatz zu genau diesem Hauptsatz gehört. Wenn er zu einem neuen Hauptsatz in der Satzreihe gehört, dann ist das Semikolon möglich. Falls Sie das jetzt verwirrt, keine Sorge: Dieser Fall kommt weiter unten etwas ausführlich noch einmal.

Das waren auch schon die Regeln. Mehr gibt es nicht zu beachten.

Aber denken Sie dran: Sie können einen guten Text schreiben, ohne auch nur ein einziges Semikolon zu verwenden.

Es kann Ihrem Text aber trotzdem nicht schaden, wenn Sie sich trauen, auch mal ein Semikolon zu setzen. Warum? Das erfahren Sie jetzt.

Warum das Semikolon praktisch ist

Das Semikolon kann aus verschiedenen Gründen praktisch sein. Zum einen aus pragmatischen Gründen: Es kann es Ihrem Leser dabei helfen, Ihren Text besser zu verstehen. Vor allem dann, wenn Sie längere Satzreihen im Text haben. Aber auch aus stilistischen Gründen ist es hilfreich. Es wirkt nämlich anders als Komma oder Punkt.

Das Semikolon als Hinweis für Ihren Leser

Wie die anderen Satzzeichen gibt auch das Semikolon Ihrem Leser einen kleinen Hinweis darauf, wie es im Text weitergehen wird. Satzzeichen sind nämlich kleiner als Wörter. Das heißt, dass sie – anders als lange Wörter – auch dann schon verarbeitet werden können, wenn Ihr Leser gerade das aktuelle Wort liest. Das Satzzeichen zeigt dem Leser dann an, was als Nächstes passieren kann, und der Leser liest dann mit einer entsprechenden Erwartung weiter. Das geht so schnell, dass er es gar nicht bemerkt.

Was macht das Semikolon in diesem Zusammenhang? Es kann den Leser durch Satzreihen führen und ihm so beim Verständnis helfen.

Das Semikolon als Verständnishelfer und „Holzwegverhinderer“

Wie ich oben geschrieben habe, haben Sie grundsätzlich die freie Wahl, ob Sie Hauptsätze in Satzreihen mit Semikolon oder Komma verbinden. Das Komma ist natürlich klasse, weil es sehr vielseitig ist. Aber manchmal ist es leider zu vielseitig.

Schauen Sie sich zum Beispiel diesen Satz einmal an:

„Es war ein schöner Morgen und es war schon sehr warm, als Herbert das Haus verließ, waren es schon 23 Grad im Schatten.“

Diese Satzreihe besteht aus insgesamt drei Teilsätzen:

  • (1) „Es war ein schöner Morgen.“
  • (2) „Es war schon sehr warm.“
  • (3) „Als Herbert das Haus verließ, waren es schon 23 Grad im Schatten.“

Es ist sehr wahrscheinlich, dass Sie eben beim Lesen nicht alle drei Teilsätze sofort als solche erkannt haben. Stattdessen haben Sie möglicherweise nur zwei Teilsätze sofort erkannt und den dritten beim ersten Lesen für einen Nebensatz des zweiten Teilsatzes gehalten. Warum? Gemeinerweise beginnt der dritte Teilsatz tatsächlich mit einem Nebensatz. Doch dieser Nebensatz hat nichts mit dem zweiten Teilsatz zu tun, sondern mit dem dritten („Es waren schon 23 Grad im Schatten“).

Warum haben Sie den dritten Teilsatz für einen Nebensatz des zweiten Teilsatzes gehalten? Wegen des Kommas und des Wortes „als“; „als“ leitet nämlich einen Nebensatz ein, es ist eine sogenannte „Konjunkion“. Diese Kombination aus Komma und „als“ verleitet erst zur Annahme, dass beide einen Nebensatz beginnen, der zu dem Hauptsatz gehört, der davor steht. In diesem Fall ist es aber nicht so – und in vielen anderen Fällen auch nicht.

Sie sind möglicherweise schon oft solchen „Holzwegsätzen“ begegnet –Sätze, die beim Lesen zuerst in die Irre führen. Holzwegsätze sind nicht mehrdeutig; sie sind eindeutig. Aber es kann sein, dass sie noch einmal gelesen werden müssen, um verstanden zu werden. Das macht sie potenziell schwer verständlich. Mit einem Semikolon können Sie einen solchen Holzwegsatz vermeiden:

„Es war ein schöner Morgen und es war schon sehr warm; als Herbert das Haus verließ, waren es schon 23 Grad im Schatten.“

Jetzt ist der Satz eindeutiger. Das Semikolon zeigt, dass das „als“ keinen Nebensatz von Teilsatz (2) einleitet, sondern dass der neue Teilsatz (3) folgen wird.

Das heißt: Sie können das Semikolon nutzen, um Ihrem Leser beim Verständnis Ihres Textes zu helfen.

Aber auch aus stilistischen Gründen kann das Semikolon sinnvoll sein.

Das Semikolon als stilistischer Mittelweg

Das Semikolon gilt als Mittelweg zwischen Komma und Punkt: Es kann verwendet werden, wenn das Komma zu „schwach“ ist und der Punkt zu „stark“. Was heißt das?

Satzreihe statt „Maschinengewehr“

In vielen Schreib- und Stilratgebern wird dazu geraten, möglichst kurze Sätze zu bilden. Das soll dazu führen, dass der Text verständlicher und attraktiver wird. Zum Beispiel schreibt Doris Märtin (2010, S. 113):

„Kurz ist gut – auf allen Ebenen des Schreibens.“

Ob kurze Sätze aber wirklich dafür sorgen, dass Texte verständlicher werden, ist noch nicht empirisch bewiesen (Beispiele für aktuelle Forschung zu „Stilgesetzen“: Balling, 2013; Balling, 2017). Und kurze Sätze sind auch nicht immer attraktiv. Oft führen sie zu etwas, das ich als „Maschinengewehrstil“ bezeichne. Ein Beispiel:

„Herbert stand in der Küche. Er kochte. Er kochte gerne und gut. Seine Lasagne war beliebt.“

Das klingt abgehackt. Dafür sorgt der Punkt. Der Punkt ist nämlich ein sehr starkes Satzzeichen. Danach geht es erst mal nicht mehr weiter. Wenn Sie das Beispiel einmal laut vorlesen, werden Sie auch merken, was ich mit „Maschinengewehrstil“ meine …

Deshalb ist es manchmal sinnvoll, einige Sätze in einer Satzreihe zu verbinden, und das geht sowohl mit Komma als auch mit Semikolon:

„Herbert stand in der Küche. Er kochte. Er kochte gerne und gut, seine Lasagne war beliebt.“

„Herbert stand in der Küche. Er kochte. Er kochte gerne und gut; seine Lasagne war beliebt.“

So kommt wieder ein bisschen mehr „Luft“ ins Beispiel. Das können Sie merken, wenn Sie die Beispiele laut vorlesen. Der längere Satz am Ende lädt nun durch das Komma und das Semikolon zu einer etwas längeren Pause zwischen den Teilsätzen ein. Die zahlreichen Punkte im Original veranlassen hingegen dazu, den Beispieltext sehr schnell zu lesen. Das kann dann gut sein, wenn Sie absichtlich Tempo in den Text bringen möchten. Aber irgendwann sollten Sie auch wieder runter vom Gaspedal, damit Ihr Leser nicht „heiß läuft“.

Das Semikolon als „Handbremse“

Das Semikolon ist eine etwas „stärkere“ Grenze zwischen den Teilsätzen als das Komma. Das Komma ist nämlich eher eine „weiche“ Grenze, es führt meistens zu einer kurzen Pause, wenn wir den Text lesen. Warum? Weil wir mal gelernt haben, dass nach dem Komma meistens etwas kommt, das unmittelbar etwas mit dem derzeitigen Satz zu tun hat. Meistens ist das ein Nebensatzeinleiter, das nächste Aufzählungselement oder ein Zusatz. Wir rechnen nach dem Komma also mit vielem, aber oft nicht mit einem neuen Satz. Und da kommt dann das Semikolon ins Spiel.

Das bedeutet: Wenn Sie mehrere Hauptsätze in einer Satzreihe verbinden, ist das Semikolon stilistisch sinnvoll.

Sie können sich das Semikolon in dem Zusammenhang als eine Art „Handbremse“ vorstellen, mit der Sie bewusst Tempo aus dem Text nehmen können, bevor er zu schnell wird und Ihrem Leser womöglich auf die Nerven geht.

Jetzt sind wir am Ende dieses Artikels. Sie haben die Regeln für das Semikolon kennengelernt. Außerdem habe ich Ihnen ein paar Verwendungsmöglichkeiten für dieses praktische Zeichen gezeigt. Die entscheidende Frage ist nun: Muss das Semikolon überhaupt sein?

Mut zum Semikolon!

Der deutsche Schriftsteller Günther Grass soll mal gesagt oder geschrieben haben, dass ein Verzicht auf das Semikolon ein Verzicht aufs Denken sei (Schneider, 2001, S. 171). Aber nur, weil Günther Grass das gesagt oder geschrieben haben soll, heißt es noch lange nicht, dass das auch stimmt. Ich bin vom Gegenteil überzeugt: Sie können einen durchdachten Text schreiben, ohne dieses Zeichen auch nur ein einziges Mal zu verwenden!

Doch es gibt Situationen, in denen ein Semikolon sinnvoller sein kann als ein Komma. Oft ist es nämlich die Vielseitigkeit des Kommas, die das Komma zu einem vieldeutigen Satzzeichen machen kann.

Also: Trauen Sie sich, ruhig auch mal ein Semikolon zu verwenden. Wenn Sie sich an die Regeln halten, kann nichts Schlimmes passieren.

Ein paar Fragen zum Abschluss

Den Umgang mit Satzzeichen können Sie am besten trainieren, indem Sie möglichst viel lesen und sich fragen, warum ein bestimmtes Satzzeichen an genau dieser Stelle verwendet wurde und welche Wirkung es auf Sie hat.

Lesen Sie zum Beispiel einmal folgenden Auszug aus dem empfehlenswerten Roman Fließsand oder Eine todsichere Anleitung zum Scheitern von Steve Toltz (2016, S. 37). An dieser Stelle schildert der Protagonist alles, was er an seinem Beruf hasst:

„Ich hasste den schaurigen Gesichtsausdruck von Kindern bei Fällen von häuslicher Gewalt; ich hasste die Glückstreffer, wenn ein Fluss mit Schleppnetzen abgesucht wurde; ich hasste es, verkohlte Leichen in geheimen Chrystal-Meth-Laboren zu finden; ich hasste das Tasern und Sprayen und Knüppeln und Fellen und Festnehmen und Abführen und Warnen und Strafzettelschreiben und Streifefahren; ich hasste sterbende Biker, die offenbar nichts mehr fürchteten, als eines unmännlichen Todes zu sterben; ich hasste es, SUVs zu untersuchen, in deren Reifenprofil Reste eines Kleinkindschädels klebten; ich hasste es […]“

Beantworten Sie dann für sich selbst folgende Fragen (wenn Sie wollen können wir darüber auch im Kommentarbereich diskutieren):

  • Welche Funktion hat das Semikolon in diesem Beispiel?
  • Was denken Sie: Macht das Semikolon die Satzreihe in diesem Beispiel übersichtlich? Und wenn ja: Warum?
  • Welche Wirkung hat das Semikolon auf Sie?
  • Was würde passieren, wenn die Satzreihe nicht mit Semikolon, sondern mit Punkt oder Komma strukturiert würde? Wie würde sich das auf Ihren Lesefluss auswirken?

Literatur

Balling, L. W. (2013). Does Good Writing Mean Good Reading?: An Eye-Tracking Investigation of the Effect of Writing Advice on Reading. Fachsprache, 35(1–2), 2–23.

Balling, L. W. (2017). No Effect of Writing Advice on Reading Comprehension. Journal of Technical Writing and Communication, 1–19. DOI: 10.1177/0047281617696983

Märtin, D. (2010). Erfolgreich texten. Im Unternehmen. In der Werbung. Im Studium. In der Wissenschaft. Im Internet. 4., neu bearbeitete Auflage. Frankfurt am Main: Bramann Verlag.

Schneider, W. (2001). Deutsch für Profis. Wege zu gutem Stil. 24. Auflage. München: Wilhelm Goldmann Verlag.

Staaden, S. (2016). Rechtschreibung und Zeichensetzung endlich beherrschen. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Paderborn: Ferdinand Schöningh.

Toltz, S. (2016). Fließsand oder Eine todsichere Anleitung zum Scheitern. München: Deutsche Verlags-Anstalt.

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