Nachdruck oder Hausarbeit? Wörtliches Zitieren in wissenschaftlichen Texten für Einsteiger

Keine Haus- und Abschlussarbeit ohne Zitate. Dazu gehören auch wörtliche Zitate. Doch wie funktioniert wörtliches Zitieren? Das erfahren Sie in diesem Beitrag.



Was macht einen guten, wissenschaftlichen Text aus? Kurzantwort: eine Menge. Dazu gehört ein wichtiger Aspekt: Kommunikation. Wissenschaft ist nämlich keine „One-Man-Show“. Kein Text steht für sich alleine, sondern ist mit anderen Texten verbunden: Verschiedene Autorinnen und Autoren nehmen Bezug auf die Erkenntnisse anderer und entwickeln sie weiter. Und Zitate helfen dabei, Texte miteinander zu verbinden.

Zitieren ist wichtig

Es ist klar: keine wissenschaftliche Haus- oder Abschlussarbeit ohne Zitate. Doch spätestens bei Ihrer ersten Hausarbeit fragen Sie sich bestimmt:

Wie zitiere ich richtig?

Wie baue ich Zitate in meinen Text ein?

Wenn Sie diesen Text gelesen haben, können Sie all diese Fragen beantworten und sicherstellen, dass Ihre Hausarbeit auch ein echter Text wird und nicht nur ein Nachdruck.

Zitieren: Form und Sprache

Zitieren hat zwei Bereiche:

  • Form
    • Konventionen einzelner Fächer und Disziplinen (z. B. APA, Chicago Style etc.)
    • Gestaltung von Zitaten (Einrückung etc.)
  • Sprache
    • wörtliches oder indirektes Zitieren
    • Einbetten von Zitaten im Text

In diesem Beitrag geht es ausschließlich um den Bereich „Sprache“: das Einbetten von Zitaten im Text.

Wörtliche und indirekte Zitate

Es gibt zwei Arten von Zitaten:

  • wörtliche Zitate (oder auch direkte Zitate)
    • Sie übernehmen wortwörtlich das, was jemand anderes geschrieben hat. Ein Beispiel:
      • Stefan Kühtz (2012, S. 62, Hervorhebung im Original) schreibt: „Beim direkten (wörtlichen) Zitieren übernehmen Sie eine Passage aus einem anderen Text wortwörtlich, und zwar buchstabengetreu, also exakt so, wie sie da steht!“
    • indirekte Zitate
      • Sie übernehmen das, was jemand anderes geschrieben hat, sinngemäß und geben es in einigen Worten wieder. Ein Beispiel:
        • Bei einem indirekten Zitat werden Inhalte aus anderen Texten in eigenen Worten wiedergegeben (vgl. Küthz, 2012, S. 61).

Egal ob wörtlich oder indirekt: Ein vollständiges Zitat besteht immer aus zwei Teilen:

  • der übernommenen Textstelle entweder im genauen Wortlaut oder sinngemäß in eigenen Worten
  • einem Literaturbeleg, also einem Verweis zu dem Text, aus dem Sie die Stelle entnommen haben

In diesem Beitrag geht es ausschließlich um das wörtliche Zitieren. Das ist nämlich eine anspruchsvolle Aufgabe, vor allem, wenn Sie noch nie zuvor wörtlich zitiert haben. Warum?

Wörtliches Zitieren: Eine anspruchsvolle Aufgabe

Auf den ersten Blick scheint wörtliches Zitieren doch ziemlich einfach zu sein: Einfach eine Textstelle aussuchen und in den Text einfügen. Dann noch einen Literaturbeleg hinzu und fertig ist das Zitat. Ist doch einfach.

Ganz so einfach ist es leider nicht. Denn oft verleiten wörtliche Zitate dazu, nicht mehr selbst zu denken, sondern einfach willkürlich Zitate aneinanderzureihen. Das kann dann zum Beispiel in einer (natürlich fiktiven) Hausarbeit so aussehen:

Das Gehirn ist ein Teil des Nervensystems: „Das Nervensystem aller Säuger besteht aus zwei Teilen: dem Zentralnervensystem (ZNS) und dem peripheren Nervensystem (PNS)“ (Bear et al., 2007, S. 188) und: „Das gesamte Nervensystem umfasst auch die verschiedenen sensorischen Systeme, die Informationen aus den unterschiedlichen Bereichen des Körpers zusammenführen, und das für die Bewegungssteuerung zuständige motorische System“ (Anderson, 2007, S. 18).

In diesem Beispiel habe ich zwei Zitate aneinandergereiht. Ich habe das Beispiel absichtlich etwas kürzer gehalten, damit dieser Text übersichtlich bleibt. In der „freien Wildbahn“ findet man aber oft noch viel längere Zitatketten. Zitatketten sind problematisch. Warum?

Nachdruck oder Text?

Es reicht nicht, viele wörtliche Zitate in den Text einzufügen. Sonst kann es nämlich passieren, dass Sie keinen Text verfassen, sondern lediglich einen „Reader“ zusammenstellen. Die Hausarbeit wird dann zu einem Nachdruck, in dem Sie die Aussagen anderer zusammenstellen, ohne sich mit diesen Aussagen auch auseinanderzusetzen. Aber: Genau das wird von Ihnen in einer Haus- oder Abschlussarbeit verlangt!

Nun wissen Sie, warum Zitieren wichtig ist und dass es nicht reicht, einfach nur wörtliche Zitate aneinanderzureihen. Doch wie schaffen Sie es, ein wörtliches Zitat so benutzen, dass es sinnvoll ist? Dafür schauen wir uns zunächst ein paar typische Probleme beim wörtlichen Zitieren an. Aus denen können wir dann Lösungen ableiten.

Typische Probleme beim wörtlichen Zitieren

Beim wörtlichen Zitieren lassen sich häufig drei verschiedene Probleme beobachten:

  • überflüssige Zitate
  • „Entlastungszitate“
  • zusammenhangslose Zitate

Überflüssige Zitate

Erinnern Sie sich an die Beispielzitatkette vom Anfang? Hier ist sie noch mal:

Das Gehirn ist ein Teil des Nervensystems: „Das Nervensystem aller Säuger besteht aus zwei Teilen: dem Zentralnervensystem (ZNS) und dem peripheren Nervensystem (PNS)“ (Bear et al., 2007, S. 188) und: „Das gesamte Nervensystem umfasst auch die verschiedenen sensorischen Systeme, die Informationen aus den unterschiedlichen Bereichen des Körpers zusammenführen, und das für die Bewegungssteuerung zuständige motorische System“ (Anderson, 2007, S. 18).

Hier sehen sie schon ein Beispiel für ein überflüssiges wörtliches Zitat:

Das Gehirn ist ein Teil des Nervensystems: „Das Nervensystem aller Säuger besteht aus zwei Teilen: dem Zentralnervensystem (ZNS) und dem peripheren Nervensystem (PNS)“ (Bear et al., 2007, S. 188)

Ein solches wörtliches Zitat ist überflüssig. Warum? Weil hier ein Sachverhalt zitiert wird, der zur Allgemeinbildung gehört. Sie könnten genauso gut schreiben: „Das Gehirn liegt vollständig innerhalb des Schädels“ (Bear, 2007, S. 191). Gleiches Lehrbuch, gleiche Selbstverständlichkeit.

Solche Selbstverständlichkeiten brauchen keine Erklärungen, auch nicht beim wissenschaftlichen Schreiben. Es gibt nur eine Ausnahme: Sie hinterfragen diese Selbstverständlichkeiten aus einer neuen Perspektive (vgl. Ulmi et al, 2017, S. 179). Zum Beispiel könnten Sie das Zitat zum Nervensystem nutzen, wenn Sie die Theorie aufstellen, dass das Nervensystem nicht aus zwei Teilen besteht, sondern aus drei. Aber haben Sie das vor?

„Entlastungszitate“

Ein weiteres Problem beim wörtlichen Zitieren ist das, was Ulmi et al. (2017, S. 181) als „Entlastungszitate“ bezeichnen. Was ist das?

Ein Entlastungszitat ist ein wörtliches Zitat, das in den Text eingefügt wird, um sich das eigene Formulieren zu ersparen: „Die Autorin entlastet sich damit vom eigenständigen Formulieren“ (Ulmi et al., 2017, S. 181).

Der letzte Satz war ein Beispiel für ein Entlastungszitat. Ich habe einfach einen Satz von Ulmi et al. abgeschrieben, damit ich die Aussage nicht mit meinen eigenen Worten wiedergeben musste. Das Ergebnis: Ich habe Zeit gespart und mein Literaturverzeichnis hat einen Eintrag mehr. Das klingt toll, hat aber einen großen Nachteil, denn:

Zitate sind kein Selbstzweck!

Zitate sind kein Ersatz für selbstständiges Denken und Schreiben. Sie sind nichts anderes als Material, das man interpretiert oder als Beleg für eine eigene Argumentation nutzt. Oft kommt es auch vor, dass zum Entlastungszitat gegriffen wird, weil man etwas nicht verstanden hat. Deshalb ein Tipp:

Zitieren Sie lieber nur das wörtlich, was Sie auch verstanden haben!

Zusammenhangslose Zitate

Beim Zitieren kommt auch immer auf einen sinnvollen Zusammenhang an. Sonst ist ein Text kein Text. Sie kennen das Beispiel:

Das Gehirn ist ein Teil des Nervensystems: „Das Nervensystem aller Säuger besteht aus zwei Teilen: dem Zentralnervensystem (ZNS) und dem peripheren Nervensystem (PNS)“ (Bear et al., 2007, S. 188) und: „Das gesamte Nervensystem umfasst auch die verschiedenen sensorischen Systeme, die Informationen aus den unterschiedlichen Bereichen des Körpers zusammenführen, und das für die Bewegungssteuerung zuständige motorische System“ (Anderson, 2007, S. 18).

In diesem Beispiel finden Sie zwei wörtliche Zitate. Wenn Sie genau hinsehen, werden Sie merken, dass beide Zitate nichts mit dem Einleitungssatz zu tun haben. Es geht zwar im weitesten Sinne um das Nervensystem, aber was haben sie zu tun mit dem Satz „Das Gehirn ist ein Teil des Nervensystems“? Der Doppelpunkt nach dem Satz weckt die Erwartung, dass es im nachfolgenden Zitat um die Aussage des Satzes geht. Doch das ist nicht so. Stattdessen geht es im nachfolgenden Zitat auf einmal um etwas ganz anderes, nämlich um Säugetiere und Unterschiede im Nervensystem. Auf das erste Zitat folgt ein „und“, was eigentlich heißt, dass ein zweites Zitat folgt, das logisch mit dem vorherigen verbunden ist. Aber auch das ist nicht so. Stattdessen geht es auf einmal nicht mehr um Unterschiede im Nervensystem, sondern um Gemeinsamkeiten. Das ist verwirrend.

Deshalb schon hier ein Tipp, wie Sie Ihren Lesern zusammenhangslose Zitate ersparen können:

Leiten Sie wörtliche Zitate sinnvoll ein!

Wenn Sie nach einem selbstverfassten Satz einen Doppelpunkt setzen, um ein Zitat einzuleiten, dann wird Ihr Leser sofort annehmen, dass beides logisch miteinander zusammenhängt. Tut es das nicht, dann ist er im besten Fall nur verwirrt. Und im schlimmsten Fall wütend: „Das Gehirn liegt vollständig innerhalb des Schädels“ (Bear, 2007, S. 191).

Wann wörtlich zitieren?

Wörtliche Zitate sind also nicht immer notwendig. Und vor allem sind sie eines nicht: ein Selbstzweck.

Es gibt aber drei Situationen, in denen wörtliche Zitate angebracht und sinnvoll sind (nach Esselborn-Krumbiegel, 2014, S. 91):

  • Sie wollen einen Textausschnitt anschließend interpretieren.
    • Beispiel: Sie zitieren eine Originalquelle, die Sie anschließend analysieren.
  • Sie wollen einen speziellen Begriff einführen, den Sie übernehmen möchten.
    • Beispiel: Anderson (2007, S. 292) definiert Problemlösen folgendermaßen: „Problemlösen ist zielgerichtetes Verhalten, das oft das Aufstellen von Teilzielen beinhaltet, um die Anwendung von Operatoren zu ermöglichen.“
  • Sie zitieren eine Kernaussage, die Ihre eigene Argumentation stützt.

Doch wie „parken“ Sie in solchen Situationen ein wörtliches Zitat? Das erfahren Sie im nächsten Teil.

Wörtliche Zitate „parken“

Es gibt drei Techniken, mit denen Sie wörtliche Zitate in den Text einbauen können:

  • Zitat einleiten
  • Zitat in den Satz integrieren
  • Bezug zum Text herstellen

Zitat einleiten

Ein wörtliches Zitat sollte nicht einfach so aus dem Nichts erscheinen. Dann weiß Ihr Leser nämlich nicht, was er jetzt damit anfangen soll.

Sie könen ein wörtliches Zitat einleiten, indem Sie gleich zu Beginn des Satzes andeuten, dass ein wörtliches Zitat folgen wird:

Beim Problemlösen geht es darum, einen Problemzustand zu lösen. Anderson (2007, S. 292, Hervorhebung im Original) definiert den Begriff „Problemzustand“ folgendermaßen: „Ein Problemzustand (state) ist eine Repräsentation des Problems zu einem gegebenen Bearbeitungszustand.“

Doch Vorsicht! Nicht jede Zitateinleitung ist auch sinnvoll. Sie sollte schon etwas mit dem Zitat zu tun haben. So etwas sollten Sie also lieber vermeiden:

Abschließend soll noch folgendes Zitat festgehalten werden: „Das Gehirn liegt vollständig innerhalb des Schädels“ (Bear, 2007, S. 191).

Bei einer solchen Einleitung wird sich Ihr Leser sicher fragen, warum dieses Zitat ausgerechnet jetzt an dieser Stelle steht. Ersparen Sie ihm das lieber.

Übrigens: Es gibt einige Textsorten, in denen ein solches Vorgehen völlig in Ordnung ist. Zum Beispiel in Predigten und Reden. Oder in journalistischen Texten. Auch bei politischen Flugblättern  kann ein solches Zitat einen bleibenden Eindruck hinterlassen und dem Text Nachdruck verleihen. Doch in einer Hausarbeit ist dieses Vorgehen in den allermeisten Fällen eher unpassend. Schließlich sollte Wissenschaft möglichst objektiv und frei von Politik und Religion sein.

Zitat in den Satz integrieren

Ein wörtliches Zitat muss nicht immer ein eigenständiger Satz sein. Das sollte es auch nicht immer, sonst kann eine Zitatkette entstehen. Und das ist unschön, denn dann erstellen Sie einen Nachdruck.

Manchmal ist es auch sinnvoll, Zitate in einen Satz zu integrieren. Dazu ein Beispiel:

Andersson (2007, S. 292, Hervorhebung im Original) zufolge wird Problemlösen „häufig als Absuchen eines Problemraumes (problem space) beschrieben, der aus verschiedenen Problemzuständen besteht.“

Hier ist ein wörtliches Zitat einfach in den Satz eingefügt.

Aber Achtung! Das ist nicht immer sinnvoll, erinnern Sie sich an die „Entlastungszitate“. Deshalb ist es oft sinnvoller, in solchen Situationen nicht wörtlich zu zitieren, sondern indirekt. Doch das werde ich in einem anderen Beitrag behandeln.

Bezug zum Text herstellen

Ich habe es bereits oben geschrieben: Wörtliche Zitate sollten immer einen Bezug zum Text haben. Und zwar einen offensichtlichen. Ein Beispiel:

Anderson (2007, S. 292) beschreibt Problemlösen als ein „zielgerichtetes Verhalten, das oft das Aufstellen von Teilzielen beinhaltet, um die Anwendung von Operatoren zu ermöglichen.“ Das bedeutet, dass Problemlösen dazu dient, ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

Hier kann man natürlich darüber streiten, ob das wörtliche Zitat an dieser Stelle unbedingt notwendig ist. Doch dieses Beispiel ist nur zu Anschauungszwecken. Sie sehen nämlich Folgendes:

  • Ich habe dokumentiert, wessen Gedanken ich übernommen habe und wo man ihn nachschlagen kann, nämlich im Lehrbuch von Anderson.
    • Das ist wichtig, denn sonst hätte ich ein Plagiat gemacht.
  • Ich habe das wörtliche Zitat eingeleitet, nämlich mit dem Verb „beschreiben“.
    • Das ist wichtig, denn sonst käme das Zitat aus dem Nichts und Sie müssten jetzt rätseln, was ich damit überhaupt aussagen will.
  • Ich beschäftige mich auch weiterhin mit dem Zitat und werfe es nicht einfach so in den Raum, nämlich durch den Anschlusssatz, der mit „Das bedeutet …“ beginnt.
    • Das ist wichtig, denn sonst hätte ich mich nicht selbsttätig mit dem Zitat auseinandergesetzt, sondern lediglich einen Nachdruck des Klassikers Kognitive Psychologie angefertigt. Und das ist problematisch, auch aus urheberrechtlichen Gründen.

Vor allem der zweite Punkt ist wichtig: das Einleiten des Zitates mit einem Verb. Verben sind eine von vielen verschiedenen möglichen Eingangsformulierungen. Im nächsten Abschnitt finden Sie noch weitere.

Wörtliche Zitate: Eingangsformulierungen

Ich habe im Beispiel das Verb „beschreiben“ benutzt, um das Zitat einzuleiten. „Beschreiben“ ist aber nur eines von vielen Verben, die Sie nutzen können.

Anderson könnte nämlich noch eine Menge anderer Dinge machen:

  • Anderson betont, dass …
  • Anderson hebt hervor, dass …
  • Anderson erklärt, dass …
  • Anderson schlussfolgert, dass …
  • Anderson denkt, dass …
  • Anderson schreibt, dass …
  • Anderson kritisiert, dass …

Und es gibt noch viele weitere Dinge, die Anderson so machen kann. Aber: Nicht jedes dieser Verben passt auch an jeder Stelle.

Manchmal geht es auch mit einer Mischung von Verben und Substantiven:

  • Anderson ist der Meinung, dass …
  • In Anlehnung an Dörner definiert Anderson XY folgendermaßen …
  • Anderson kommt zu dem Ergebnis, dass …
  • Anderson ist anderer Auffassung als Gaudin: …
  • Auch Anderson äußert Kritik an Gaudin: …

Auch Präpositionen sind möglich:

  • Nach Anderson ist …
  • Für Anderson ist …
  • Mit Anderson lässt sich …

Sie sehen: Die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. Da kann man schnell den Überblick verlieren und sich fragen:

Woran erkenne ich, welche Eingangsformulierungen sinnvoll sind?

Mein Tipp: Trainieren Sie. Und zwar, indem Sie so viel wie möglich lesen.

Lesen Sie!

Wer lernen will, braucht Vorbilder. Sowohl positive als auch negative. Beides finden Sie, wenn Sie so viele Texte wie möglich lesen. So können Sie herausfinden, welche Eingangsformulierungen in Ihrem Fach üblich sind. Sie sollten also so viel wie möglich lesen, um herauszufinden, wie erfahrene Autoren ihre wörtlichen Zitate im Text parken.

Dabei werden Sie schnell merken, dass selbstProfis“ oft problematisch mit wörtlichen Zitaten umgehen: Sie werfen wörtliche Zitate in den Raum, ohne weiter darauf einzugehen und reihen willkürlich Zitate aneinander. Manchmal könnte man schon fast meinen, sie machten es absichtlich …

Aber das ist nicht schlimm, denn dann haben Sie ein neues Vorbild bekommen, und zwar ein negatives. Jedenfalls dann, wenn Sie verständlich schreiben wollen.

Fazit

In diesem Artikel haben Sie gelesen, wie Sie wörtlich zitieren können und dass das nicht immer leicht ist. Beim wörtlichen Zitieren kann einiges schiefgehen:

  • überflüssige Zitate
    • Sie zitieren etwas, was ohnehin bekannt ist. Das wörtliche Zitat halt also keinen Mehrwert für den Text.
  • „Entlastungszitate“
    • Sie zitieren, um nicht selbst zu formulieren, und gehen nicht weiter auf das Zitat ein. Vielleicht auch, weil Sie das Original nicht verstanden haben.
  • zusammenhangslose Zitate
    • Das Zitat erscheint aus dem Nichts und scheint nichts mit dem weiteren Text zu tun zu haben.

Folgende Techniken können Ihnen beim wörtlichen Zitieren helfen:

  • Zitat einleiten
    • Lassen Sie Ihr wörtliches Zitat nicht einfach so aus dem Nichts erscheinen. Es muss deutlich werden, warum Sie an dieser Stelle ein wörtliches Zitat wählen.
  • Zitat in den Satz integrieren
    • Aber Achtung: Weniger ist mehr, manchmal ist ein indirektes Zitat in solchen Situationen besser.
  • Bezug zum Text herstellen
    • Schreiben Sie, warum Sie ausgerechnet dieses Zitat an ausgerechnet dieser Stelle einsetzen.

Dazu können Sie Eingangsformulierungen nutzen. Welche Eingangsformulierungen passen, können Sie herausfinden, indem Sie lesen, und zwar so viel wie möglich. Dabei werden Sie schnell merken, dass auch Profis oft problematisch mit wörtlichen Zitaten umgehen. Das ist aber nicht schlimm, denn dann haben Sie Negativbeispiele, die Sie nicht imitieren müssen.

Am Ende sollte vor allem eins herauskommen: Ein sinnvoller, in sich geschlossener Text, in dem nichts willkürlich „aus dem Nichts“ erscheint. Denn: „Das Gehirn liegt vollständig innerhalb des Schädels“ (Bear, 2007, S. 191). Wie ein passendes wörtliches Zitat in einem Text.

Literatur

Anderson, J. R. (2007). Kognitive Psychologie. 6. Auflage. Berlin: Springer-Verlag.

Bear, M. F., Connors, B. W., & Paradiso, M. A. (2007). Neurowissenschaften. Ein grundlegendes Lehrbuch für Biologie, Medizin und Psychologie. 3. Auflage. Berlin: Springer-Verlag.

Esselborn-Krumbiegel, H. (2014). Von der Idee zum Text: Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben. Paderborn: Ferdinand Schöningh.

Kühtz, S. (2012). Wissenschaftlich formulieren. Tipps und Textbausteine für Studium und Schule. 2. Auflage. Paderborn. Ferdinand Schöningh

Ulmi, M., Bürki, G., Verhein, A., & Marti, M. (2017). Textdiagnose und Schreibberatung. 2. Auflage. Opladen: Verlag Barbara Budrich.

Bildnachweis

Pixabay (Pexels)